Was sind Hämorrhoiden?
Jeder Mensch hat ein schwammartiges Gefäßpolster (Hämorrhoidalplexus) am Ausgang des Enddarms, kurz vor dem After. Es dichtet zusammen mit den Schließmuskeln den Analkanal von innen ab. „Eine wichtige Funktion, damit der Stuhl, aber auch Blähungen nicht unkontrolliert abgehen“, erklärt Chirurg Prof. Johannes Lauscher von der Charité in Berlin. Vergrößert sich das Gefäßpolster, treten rot-bläuliche Knoten bzw. Polster am Anus hervor – Ärzte sprechen dann von Hämorrhoiden.
Wie kommt es dazu?
Bei einer chronischen Verstopfung, meist ausgelöst durch zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung, können Hämorrhoiden wachsen. Auch Übergewicht und das Alter spielen eine Rolle. „Ab 45 Jahren kommen Hämorrhoidal-Leiden häufiger vor“, sagt Prof. Lauscher. Hintergrund: Das stützende Bindegewebe um die Hämorrhoiden wird mit den Jahren schlaffer und sie können sich ausdehnen.
Weitere Risikofaktoren: häufige Durchfälle und unregelmäßiger Stuhlgang.
Was sind die Symptome bei Hämorrhoiden?
Typische Anzeichen sind Brennen, Jucken oder Nässen am Anus. „Das häufigste Symptom ist Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl. Das passiert meist durch zu starkes Pressen oder zu harten Stuhl, denn beides kann dazu führen, dass die dünnen Gefäßwände der Hämorrhoiden reißen“, so der Mediziner.
Im fortgeschrittenen Stadium haben Patienten zudem oft ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich und das Sitzen kann unangenehm sein.
Kann man vorbeugen?
Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte und Gemüse helfen der Verdauung und beugen Verstopfung vor. „Zudem sollte man den Toilettengang nicht zu lange aufschieben und sich dabei Zeit lassen“, rät Prof. Lauscher.
Ebenfalls wichtig: mindestens 1,5 – 2 Liter Wasser pro Tag trinken und sich täglich 20 - 30 Minuten oder länger bewegen. Ideal sind Ausdauersportarten wie Radfahren oder Walken.
Sind Hämorrhoiden gefährlich?
Nein. „Sie kommen zwar sehr häufig vor und verschwinden nicht von allein, aber sind gut behandelbar und verursachen meist keine Schmerzen. Entscheidend ist eine frühzeitige Untersuchung, um mögliche andere Erkrankungen auszuschließen“, betont der Arzt.
Wie erfolgt die Diagnose?
Ein Proktologe (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) tastet den Anus und Analkanal ab und macht bei einem Verdacht eine Enddarm-Spiegelung (Proktoskopie). Dabei wird ein kurzer Stab mit Kamera und Leuchte über den After einige Zentimeter weit in den Körper eingeführt, um zu prüfen, ob das Gesäßpolster vergrößert ist. Das kann unangenehm sein, schmerzt aber nicht.
Ganz wichtig: Blut im Stuhl muss immer abgeklärt werden!
Was hilft gegen Beschwerden?
Bei Juckreiz, Brennen oder Nässen helfen Salben und Zäpfchen mit pflegenden Inhaltsstoffen wie Aloe vera, Panthenol oder Jojoba-Öl und Bienenwachs.
Eine weitere Option bei Schweregrad 2: eine Gummiband-Ligatur. Das Band stoppt die Blutzufuhr der Hämorrhoiden und die Schleimhautzipfel fallen nach wenigen Tagen von selbst ab.
Muss auch operiert werden?
„Es hängt davon ab, wie stark die Hämorrhoiden heraustreten und wie sehr der Patient darunter leidet“, sagt Prof. Lauscher. „Nur in etwa 1,5 Prozent der Fälle muss operiert werden, überwiegend bei Hämorrhoiden des Grades 3 und 4“, erklärt der Chirurg, „und das erst, wenn alle anderen Therapien ausgeschöpft sind.“
Von leicht bis heftig
Je nach Stärke der Symptome wird die Krankheit in vier Schweregrade unterteilt:
Grad 1
Die Hämorrhoiden sind leicht vergrößert, aber von außen weder sicht- noch ertastbar.
→ Typische Anzeichen: evtl. Blut im Stuhl, aber meist keine Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen.
Grad 2
Die Hämorrhoiden wölben sich kurzzeitig beim Stuhlgang leicht nach außen, ziehen sich danach aber wieder zurück.
→ Typische Anzeichen: Juckreiz, Brennen oder Nässen und Schmerzen in der Analregion.
Grad 3
Die Hämorrhoiden wölben sich auch bei körperlicher Belastung nach außen und ziehen sich nicht mehr von selbst in den Analkanal zurück. Sie müssen mit der Hand zurückgeschoben werden.
→ Typische Anzeichen: Die Symptome von Grad 2 werden stärker.
Grad 4
Die Hämorrhoiden sind dauerhaft nach außen gewölbt und lassen sich auch nicht mehr mit der Hand zurückdrücken. Meist kommt zusätzlich ein Stück der Analschleimhaut zum Vorschein, Ärzte sprechen dann von einem Analprolaps.
→ Typische Anzeichen: Die Symptome von Grad 2 werden noch intensiver. Zusätzlich kann es zu schmerzhaften Hautentzündungen
sowie Stuhl-Inkontinenz kommen.
