Riesige Leinwände mit überdimensional großen Blütenstielen, die sich in die Richtung der Besucher neigen, je nachdem, wohin diese ihre Schritte lenken… Der große Pluspunkt der Videokunst ist es, dass sie mit dem Kunstliebhaber interagieren, ihn mit einbeziehen und ihn so zu einem Teil der Kunst werden lassen.

Der Erfolg gibt der Videokunst recht: seitdem Nam June Paik, der Begründer der Szene, in den 1960er Jahren seine ersten Kreationen mit Multi-Monitor-Installationen schuf, hat sich viel getan. Die Ausstellung Pipilotti Rists im australischen Sydney musste beispielsweise wegen Überfüllung geschlossen werden und andernorts, in Bordeaux, standen Besucher im Jahr 2018 über eine Stunde an, um Karten für die Videoinstallationen des Künstlers Miguel Chevalier zu betrachten.

Der große Vorteil der Videokunst

Vorteilhaft für die Videokunst war ohne Zweifel die Erfindung des Smartphones, sind sich Kenner der Szene einig. Denn dies sorgte dafür, dass sich die Menschen mehr und mehr mit Bewegtbildern umgaben und sich an eine rasche Abfolge von Bildern und Eindrücken gewöhnten.

Die Art, Kunst zu betrachten, verändert sich

Der Zuschauer wird bei Videokunst durchaus gefordert: schnelle Schnitte, zerstreute Bilder und teilweise wilde Farben und rasche Abläufe strapazieren den Zuschauer. Anders, als stehe man vor Van Goghs Zwölf Sonnenblumen in einer Vase und verliert sich in dessen Betrachtung. Dies sollte man sich bewusst machen, wenn man eine der beliebten Ausstellungen besucht.

Beispiele der Videokunst

Sie sind neugierig geworden und möchten sich einen ersten Eindruck verschaffen? Einfach auf youtube.com eines der folgenden Videos ansehen und sich eine erste Meinung bilden:

Wichtige Videokünstler

Jam June Paik, 1932 – 2006

Der koreanisch-amerikanische Künstler gilt als Vater der Videokunst. Seine künstlerische Karriere begann er in Deutschland. Paik entdeckte früh die Möglichkeiten der elektronischen Malerei. In den achziger Jahren baute er bunte Roboterfamilien, deren Türme aus Bildschirmen zusammengesetzt waren. „Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert – jetzt schlagen wir zurück“, sagte Paik.

Pipilotti Rist, geb. 1962,

Internationale Bekanntheit erreichte die Schweizerin durch ihr Video Pickelporno. Es ist ein Versuch, sexuelle Gefühle sichtbar zu machen. Rist gilt als provokative Videokünstlerin. Ihren Namen hat sie in Anlehnung an Astrid Lindgrens Pipi Langstrumpf gewählt.

Marcel Odenbach, geb. 1953

Viele seiner Werke haben einen politischen Hintergrund und behandeln das Thema Vergangenheitsbewältigung. Sie beschäftigen sich beispielsweise mit dem Nachhall des Nationalsozialismus bin in die Gegenwart hinein. Auch der Völkermord in Ruanda ist Gegenstand seines Schaffens, dem er das Werk „In stillen Teichen lauern Krokodile“ gewidmet hat

Bill Viola, geb. 1951

Der Amerikaner setzt sich überwiegend mit elementaren Themen wie Geburt und Tod sowie zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander. Sein Werk „Incrementation“ erzielte bei einer Auktion von Christies vor 15 Jahren einen Preis von 40 000 Pfund. Es war das erste Videokunstwerk, das bei einer Auktion so einen hohen Preis erzielt hat

Bruce Nauman, geb. 1941

Der Amerikaner experimentierte zunächst mit Verfremdungen von Gebäuden. Einem größeren Publikum wurde Nauman mit seinen Aneinanderreihungen von verstörenden Videofilmen bekannt, in denen er brutale Gewaltexzesse akustisch und optisch inszenierte.