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Ratgeber Leserberichte

Leserbericht – Was ich Dir schon immer sagen wollte

Hier veröffentlichen wir ein Gedicht von unserer Leserin Katrin Kayser, die damit ihrer Tochter „DANKE!“ sagen möchte, weil sie ihr in schweren Zeiten immer beistand.

©Thinkstock
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Zugfahrt von Hamburg-Altona nach Pfronten

Ich wollte nicht auf diese Welt

hat mir die Mutter oft erzählt

es hat gedauert viele Stunden

bis ich mich endlich überwunden

die Kraft zu schöpfen für das Leben

fast war’s zu spät, ging fast daneben

als ich’s geschafft, hab‘ ich geflennt

heut‘ weiß ich es, ich war gehemmt

 

Dann sollt‘ ich auf zwei Beinen steh’n

und auch noch ein paar Schritte geh’n

ich war dick und ungeschickt

bin immer wieder eingeknickt

ich hab’s geschafft mit Not und Müh‘

heut geh‘ ich joggen in der Früh

die Freiheit war mir noch so fremd

heut weiß ich es, ich war gehemmt

 

Die Schule, die ich gar nicht will

ich war im Unterricht zu still

der Lehrer auf dem Sockel stand

so manchmal rutscht sie aus die Hand

er fühlt sich mickerig und klein

und kann nun auch mal mächtig sein

der Lehrer mich nie richtig kennt

heut weiß ich es, ich war gehemmt

 

Dann kam die Zeit des Kinderkriegens

des Windeln Waschens, sanft sie wiegen

doch wo kam‘ diese Kinder her?

Das zu erraten war sehr schwer

die Mutter sagt, dass sie’s nicht kennt

heut weiß ich es, sie war gehemmt

 

Ich konnt‘ es dann im Buch erhaschen

es muss ein Mann die Frau vernaschen

doch wo nehm‘ ich den Mann nur her

das war ganz einfach, gar nicht schwer

doch dann die Angst, dass etwas klemmt

heut‘ weiß ich es, ich war gehemmt

 

Drei Kinder habe ich geboren

die mich zur Mutter auserkoren

mit Liebe und mit Zuversicht

hab‘ ich getan was meine Pflicht

sie sollten singen und nur lachen

und immer schöne Dinge machen

die Sorgen sollten sie nicht seh’n

und immer grade Wege geh’n

es kam so manche krumme Straße

oft fielen sie auf ihre Nase

sie sind mir heute manchmal fremd

und gar nicht frei, sondern gehemmt

 

Der Zeuger taugte nicht zum Vater

strich durch’s Revier fast wie ein Kater

nicht wir, der Alkohol war wichtig

als Macho fand er es auch richtig

ich schloss die Augen, wollt’s nicht seh’n

er trat mir ganz oft auf die Zeh’n

ich hab‘ mich viel zu spät getrennt

war nicht so mutig, war gehemmt

 

Dann der Zusammenbruch, die große Flucht

ich hab‘ ein neues Haus gesucht

doch wurde ich ganz falsch beraten

war für die Bank ein fetter Braten

ich war zu dumm und ungeschickt

drum konnte man mir brechen das Genick

Herrn Ackermann geht’s richtig gut

doch mich verlässt vermehrt der Mut

die Armut mehr und mehr mich kennt

und ich werd‘ immer mehr gehemmt.

 

Ich möchte doch so gern noch leben

hätt‘ auch ganz gern ’nen Mann daneben

mein Leben geht schon fast ins Ziel

und doch wünsch‘ ich mir noch ganz viel

hab‘ viele Jahre nur verpennt

warum bin ich nur so verklemmt?

 

Ich freu mich auf meine Kur

und hoff‘ die Ärzte sind nicht stur

auch offen für Natur am Wege

in ihrem Denken nicht so träge

damit gesund ich sie verlasse

und mit dem Leben wieder prasse

auch freu‘ ich mich auf Ludwigs Spur

auf manche wunderschöne Tour

das Allgäu mich noch gar nicht kennt

wie wird es sein, frei oder gehemmt?

 

Wenn auch Sie uns etwas zu sagen haben, Anregungen, Gedanken oder Wünsche, freuen wir uns auf Ihre Nachricht an plusmagazin@bayard-media.com.

 

Letzte Version vom 25. April 2019

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