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Ratgeber Psychologie

So laden Sie Ihre Akkus wieder auf

Ist man über 50 entladen sich die Akkus schneller und brauchen länger, um sich wieder aufzuladen. Wie Sie Ihre Energien wiedererlangen, verraten wir hier.

Die Akkus wieder aufladen @ Julien Christ / pixelio.de
Die Akkus wieder aufladen @ Julien Christ / pixelio.de

Man fühlt sich erschöpft, ausgelaugt. Sehnt sich nach Ruhe. Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, was ihnen wirklich guttut.

Für den einen ist es Yoga, für den anderen ein Tangokurs. Was wir zum Auftanken brauchen, ist völlig individuell. Und nur wer seinen Entspannungstyp kennt, kann gezielt auftanken. Die Psychologin Maja Storch sagt uns im Interview, was wir beachten müssen.

Frau Storch, als Psychologin beschäftigen Sie sich mit dem Thema Auftanken und Entspannen, haben sogar ein eigenes Konzept entwickelt: die sogenannte Mañana-Kompetenz. Warum fällt es Menschen heute eigentlich so schwer, ihre Akkus regelmäßig und richtig aufzuladen? Die enorm steigende Zahl von Burn-out-Kranken zeigt dies ja.

Storch: Das ist richtig und hat vor allem zwei Gründe:

  • Durch die moderne Technik, mit der man überall erreichbar ist, sind die Übergänge zwischen Privatem und Beruflichem für viele fließend geworden.
  • Außerdem geraten viele Menschen in Freizeit-Stress. Sie glauben bei der Erholung klappt es nur, wenn man diese perfekt organisiert, und es soll natürlich besonders toll ablaufen.

Eine Falle, in die besonders Frauen ab 50 häufig tappen?

Storch: Absolut! Die Generation der Pflichtbewussten, die nichts liegen lassen kann, alles sofort erledigen und abhaken will. Die perfekt sein will. Die jüngeren Frauen sind Gott sei Dank oft viel egoistischer, was ihre eigenen Bedürfnisse und ihr eigenes Wohlfühlen betrifft.

Und wie sieht es bei den Männern aus?

Storch: Sie neigen dazu, sich zu viel zuzumuten. Frauen dagegen sind generell achtsamer mit sich, spüren instinktiv, wenn sie die Notbremse ziehen müssen, suchen sich Auftankstationen wie Yoga, ihren Garten, Treffen mit Freundinnen. Männer aber arbeiten oft bis zum Umfallen – je höher in der Hierarchie, desto intensiver. Sie laden ihre Akkus seltener zwischendurch auf und suchen oft erst Hilfe, wenn es zu spät ist.

Wie merkt man, dass die Akkus leer sind?

Storch: Oft ist da ein diffuses Gefühl von Sorge, man grübelt über Dinge, die nicht so gut geraten sind, verspürt eine dauernde Unruhe. Fühlt sich gehetzt, ohne genau zu wissen, warum. Manchmal hat man auch das Gefühl, dass einem das eigene Leben durch die Finger gleitet. Man spürt, dass man immer gestresster und unzufriedener wird, obwohl man doch scheinbar alles richtig macht.

Leeren sich unsere Akkus eigentlich schneller, je älter wir werden?

Storch: Ja. Im Alter leiden auch die Akkus unter Material-Ermüdung. Man braucht länger, um sie aufzuladen, und sie sind schneller wieder leer. Diese nachlassende Leistungsfähigkeit kann man ab Mitte 40 bemerken. Viele verdrängen dies noch – denn es bedeutet natürlich auch, dass man sich mit der eigenen Begrenztheit auseinandersetzen muss.

Sich entspannen, eine Auszeit nehmen – das alles scheint ein relativ neues Bedürfnis zu sein. Oder kannten unsere Eltern und Großeltern das auch schon?

Storch: Nicht in dem Sinne. Weil sie Leerlauf nicht künstlich herbei zwingen mussten, meist noch in einem natürlichen Rhythmus von Arbeit und innerer Einkehr lebten. Heute gibt es keine ritualisierten Entspannungsmomente mehr. Viele sind durch Handy und E-Mails immer und überall erreichbar. Geschäfte haben oft bis 24 Uhr geöffnet, alles ist immer und überall nutzbar.

Das klingt fast wie ein Teufelskreis. Aber wie entkommt man ihm?

Storch: Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen. Aber wir müssen innerhalb dieses modernen Lebens lernen, die inneren Akkus wieder aufzuladen. Dafür sollte jeder Mensch ganz eigene, individuelle Rituale entwickeln.

Braucht denn jeder Mensch etwas anderes, um sich zu entspannen?

Storch: Aber ja. Je nachdem, was für ein Typ man ist. Wir nennen es den „Mañana-Typ“, nach dem spanischen Wort für „morgen“. Ob Yoga, Joggen, Sauna, Gartenarbeit oder Besuch einer Kunstausstellung – jeder hat etwas, das ihn oder sie entspannt und Kraft gibt. Das Problem ist nur, dass man oft gar nicht weiß, was einem wirklich guttut.

Heißt das, wir haben bisher alle ganz falsch entspannt?

Storch: Viele haben vielleicht irgendwo gelesen, sie sollen Yoga machen oder meditieren. Doch als das nicht half, wurde der Stress nur noch größer und die Akkus noch leerer. Deshalb dachten viele dann, sie hätten etwas falsch gemacht. Dabei haben sie nur was versucht, das nicht zu ihrem Typ passte.

Was empfehlen Sie?

Storch: Ein Mensch, der eine verstärkte Sportneigung hat, kann seine Akkus nicht beim Bücherlesen aufladen. Jemand, für den sozialer Rückhalt viel bedeutet, wird bei einsamen Spaziergängen ziemlich unglücklich. Sport im Verein würde eher passen. Jemand der gerne aktiv ist, sollte immer etwas tun.

Wer seine Akkus sinnvoll auflädt, tut nichts anderes, als sich ganz bewusst in einen Zustand der Behaglichkeit zu versetzen.

Unsere Faustregel lautet: Wenn man fünf Dinge erkannt hat, mit denen man seine Akkus wieder gut auflädt, und diese bei Bedarf einsetzen kann, dann hat man „Mañana-Kompetenz“.

 

Letzte Version vom 9. September 2019

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