Runde Brille, Schnauzbart, oft mit Hut – so kennen wir Horst Lichter, der seit beinahe zehn Jahren das Gesicht der Trödel-Show „Bares für Rares“ ist. Im Interview spricht er über seine große Liebe und darüber, was wir von jungen Menschen lernen können.

Er wohnt mit Nada, seiner großen Liebe und Ehefrau, im Umland von Köln, gleich um die Ecke des Fernsehstudios. Nicht nur deshalb ist er dort meist der Erste am Set: Horst Lichter kann Unpünktlichkeit nicht leiden und hat vor Ort gern ein paar Minuten für sich, bevor er als gut gelaunter Moderator vor die Kamera tritt. Dass sein Haussender, das ZDF, große Stücke auf Publikumsliebling Horst „Hotte“ Lichter hält, zeigt auch ein Blick in die Mediathek: Dort finden sich neben jeder Menge „Bares für Rares“-Folgen unter anderem auch „Horst Lichters Traumrouten“, auf denen er mit einem Gast per Motorrad unterwegs ist.

Das Wichtigste zuerst: Wie lange werden Sie unsere Lieblings-Sendung noch moderieren?

LICHTER: Solange ich Spaß daran habe. Nur spätestens als Rentner will ich nicht mehr vor der Kamera herumspringen. Ein bisschen Luft ist also noch.

In „Bares für Rares“ beschäftigen Sie sich mit alten Dingen, in der Helmar Broich Stiftung unterstützen Sie junge Menschen. Ein Widerspruch?

LICHTER: Absolut nicht. Auch wenn ich alte Schätze liebe, lebe ich doch im Hier und Jetzt und interessiere mich für das Morgen. Schon als Kind habe ich immer wieder das Gespräch mit älteren Herrschaften gesucht, um von ihnen zu lernen. Heute bin ich es eben, der Wissen weitergibt. Im Team von „Bares für Rares“ haben wir viele junge Praktikanten. Ich unterhalte mich immer sehr gern mit ihnen, um den Kontakt zur Gegenwart nicht zu verlieren.

Was an Wissen kann man aktiv weitergeben, was sollen Jüngere allein herausfinden?

LICHTER: Als erfahrene Menschen ist es unsere Pflicht, den Jüngeren Gefahren aufzuzeigen. Auch wenn wir wissen, dass es in den meisten Fällen nichts bringt. Weil ja doch jede Generation ihre eigenen Fehler macht. Auch wir haben Dinge ausprobiert, von denen uns die Eltern abgeraten haben. Trotzdem sollte man Menschen, denen man helfen möchte, Türen und Wege aufzeigen, sie an die Hand nehmen und sagen: „Ich begleite dich. Gib Bescheid, wenn ich dir helfen kann.“

Wie ist das bei Ihren Kindern?

LICHTER: Das gilt auch für sie. Ich will ihnen nichts mehr vorschreiben, sie sind alle längst erwachsen, verheiratet und selbst Eltern. Trotzdem versuche ich, sie von meinen Erfahrungen profitieren zu lassen, indem ich ihnen sage, wo sie aufpassen sollten. Ob sie sich danach richten, ist ihre Sache.

Was lernen Sie selbst von jüngeren Menschen?

LICHTER: Die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mir wurde beigebracht, dass man sich anstrengen muss, um seine Ziele zu erreichen. Deshalb habe ich früher im Urlaub einfach weitergearbeitet. Meine Sehnsucht nach fernen Welten habe ich mit Büchern oder Filmen gestillt, nicht durch Reisen. Viele junge Leute erklären mir stattdessen, dass sie nach der Schule oder dem Studium ein Jahr mit dem Rucksack die Welt erobern. Wenn ich dann sage: „Pass auf, dass du nicht zu viel Zeit verlierst“, antworten sie nur: „Horst, wenn du siehst, wie andere leben, bekommst du eine neue Sicht auf das Leben. Das erdet dich.“ Vermutlich haben sie recht.

Haben Sie Dinge verpasst?

LICHTER: Meine Eltern haben immer gesagt: „Wenn du nach deiner Koch-Lehre studieren möchtest, dann tu es.“ Stattdessen habe ich früh geheiratet, mich durch einen Hauskauf verschuldet, hatte mehrere Jobs gleichzeitig und ließ mich von dem Gedanken antreiben, dass man durch Fleiß vorankommt. Heute bereue ich manchmal, dass ich keine weitere Ausbildung habe. Mein Studium war das Leben selbst.

Das ist ja nicht das Schlechteste.

LICHTER: Aber manchmal reicht es mir nicht, weil ich die Defizite spüre. Zum Beispiel ist mein Deutsch nicht besonders gut. Ich kokettiere dann und sage: „Ich nutze lieber weniger Worte, dafür verstehen mich mehr Menschen.“ Tatsächlich schaue ich oft neidisch auf alle, die sich zu jeder Gelegenheit passend ausdrücken.

Beim Kochen macht Ihnen aber kaum jemand was vor.

LICHTER: Ganz ehrlich: Das war nie meine Berufung, sondern einfach mein Beruf. Ich bin Koch geworden, weil ich es mag, wenn Menschen sich an einen Tisch setzen, um gemeinsam zu essen und zu trinken. Das wollte ich in meinem Restaurant und auch mit meinen Kochsendungen erreichen. Mit einfachen Mitteln. Aber seit ich nicht mehr im Fernsehen koche, habe ich damit aufgehört. Zu Hause hat das zum Glück meine Frau übernommen.

Was kann Ihre Frau noch besser?

LICHTER: Sie ist realistischer. Ich bin ein Träumer. Ich möchte nur das Gute in den Menschen sehen. Aber weil das nicht immer eine gute Idee ist, beschützt mich meine Frau. Nada ist der Wind in meinen Segeln, der mich vorantreibt, und der Anker, der mich am Boden hält.

Sie sind seit fast 25 Jahren verheiratet. Was ist Ihr Geheimnis?

LICHTER: Wahre Liebe erkennt man am besten, wenn es mal nicht so rundläuft und man trotzdem gemeinsam durch dick und dünn geht. Ich erinnere mich an einen Mann in meiner Sendung, der über 50 Jahre verheiratet war. Er sagte: „Ich stamme aus einer Generation, da wurde noch repariert und nicht gleich alles neu gekauft.“ Diesen Satz von ihm finde ich bis heute wunderschön.

Warum sind Sie vor einem Jahr in ein Schweigekloster gegangen?

LICHTER: Um Zeit zu haben, mich um mich selbst zu kümmern. Ich habe dort auch gelernt, noch besser auf meine innere Stimme zu hören.

Und was rät sie Ihnen?

LICHTER: Mehr von dem zu geben, was ich selbst gern bekommen würde: Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt.

Wer lässt es denn an diesen Tugenden vermissen?

LICHTER: Wir sehen oft nur die, die auffallen. Wenn 200 Menschen friedlich in einer Schlange stehen und einer Ärger macht. Worauf achten wir? Natürlich auf den Krawallbruder. Aber: Er ist nur einer von 200.

Im Grunde also gibt es Hoffnung, auch wenn wir in Zeiten schwerer Konflikte leben?

LICHTER: Ja, weil wir uns alle nach Harmonie sehnen. Jeden Tag wird sich ein Mensch verlieben, jeden Tag kommen Kinder auf die Welt. Es gibt eine Zukunft – und die Einsicht in das Gute wird siegen.

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