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Ratgeber Leserberichte

Das gönne ich mir!

Einfach mal nichts tun, sich etwas gönnen. Wer etwas älter ist, einiges im Leben geleistet hat, darf doch auch die Früchte ernten. Oder?

Das Leben genießen / © Clara J./pixelio.de
Das Leben genießen / © Clara J./pixelio.de

„Je älter ich werde, desto mahr achte ich auf mich und genieße kleinen Luxus.“ Gabi W. (50 Jahre)

Früher – mit 30 – sah ich in jeder Klamotte gut aus, fühlte mich attraktiv und sexy. Meine Kleider waren hübsch, aber von der Stange. Qualität? War mir nicht so wichtig. Mich selbst verwöhnen? Kein Thema, über das ich länger nachgedacht habe.

Das ist heute ganz anders: Je älter ich werde, desto mehr achte ich auf mich, kann auch genießen, habe plötzlich Freude an Luxus. Und dazu gehört auch, dass ich heute meine Weiblichkeit ganz anders genießen kann, ja sie geradezu zelebriere. Dazu gehört, dass die Zeit der Billigfummel vorbei ist. Das gilt besonders für Unterwäsche. Wie konnte ich mich all die Jahre in diese schrecklichen Umkleidekabinen in den Kaufhäusern zwängen, in denen das Licht so grell ist, dass man sich vor seinem eigenen Spiegelbild gruselt? Ganz anders fühlt sich das in meiner neuen Lieblings-Boutique an.

Sanftes Licht, überall flauschiger Teppichboden, der Vorhang aus Samt, und ich werde ganz individuell beraten. Für einen BH zahle ich 60 Euro und mehr. Viel Geld für wenig Stoff. Das ist egal. In den Momenten geht es um mich. Denn mein Körper ist mit den Jahren runder, weiblicher geworden. Nur wenn ich Wäsche trage, die gut sitzt, nirgendwo kneift, fühle ich mich wohl, ja attraktiv! Und dann freue ich mich jeden Morgen beim Anziehen über die schönen Stücke.

Darf ich mir das leisten?

„Mich verwöhnen? Das hat man in den Nachkriegsjahren als Kind nicht gelernt.“ Eva H. (75 Jahre)

Angst. Armut. Entbehrung. Das war meine Kindheit. 1936 geboren, kannte ich in den ersten Jahren meines Lebens nur eine Welt: die des Krieges. Danach flüchteten meine Mutter, meine zwei Geschwister und ich von der Oder nach Freden (in der Nähe von Hannover) – Vater war gefallen. Wir lebten zu viert in einer winzigen Kammer. 125 Reichsmark, mehr hatten wir nicht. Selbst Kernseife war zu teuer. Stattdessen wuschen wir uns mit „Lehmseife“. Ein brauner, harter Block, der kaum schäumte und nach nichts roch. Dann, in den 50er Jahren, brachte mir meine Freundin Rita „Soap“ aus Großbritannien mit – englische Seife. Nie werde ich den Moment vergessen, in dem ich diese Kostbarkeit auspackte: zartrosa und nach Rosen duftend.

Wie einen Goldschatz habe ich die Seife gehütet, nur zu ganz besonderen Anlässen benutzt. Sie war für mich mehr als purer Luxus: Sie war ein Versprechen – auf bessere Zeiten. Vor gut zwei Jahren flatterte ein Katalog in meinen Briefkasten mit englischer Seife. 15 Euro! Die Frage „Kann ich mir das leisten? (ich habe nur eine kleine Rente) stand nur kurz im Raum. Ja, ich wollte! Mit Herzklopfen wartete ich auf mein Päckchen mit Seifen aus Hagebutte, Eberesche, Thymian, Olive, Zitrone. Als es eintraf, begann eine neue Zeit für mich: Ich konnte, ich durfte, ich wollte genießen. Jeden Tag!

Endlich Zeit für mich!

„Immer nur ackern, dafür ist das Leben zu kurz. Jeder Tag sollte wertvoll sein.“ Manfred Sch. (66 Jahre)

Was ist Ihnen wirklich wichtig im Leben? Ich habe mir diese Frage auch vor ein paar Monaten gestellt. Die simple Antwort: Zeit, Lebenszeit. Ich bin 66, wenn ich Glück habe, liegen vielleicht noch 20 Jahre vor mir; wenn ich Pech habe, ist es morgen schon vorbei. Doch was macht man mit dieser Erkenntnis? Alles hinschmeißen, das Leben komplett umkrempeln?

Unrealistisch. Weil ich mich als Selbstständiger (nach zwei Scheidungen) nicht finanziell einschränken will, gehe ich weiter arbeiten und versuche die Dinge im Kleinen zu ändern. Andere Prioritäten zu setzen. Meine Zeit wertvoller zu machen. Sie mit Dingen zu verbringen, die mir wichtig sind, Spaß machen. Putzen, Bügeln, Wischen gehören nicht dazu. Deshalb kommt drei Stunden pro Woche eine Haushaltshilfe, sie kostet 30 Euro. Viel Geld, aber es lohnt sich. Natürlich ist das ein komisches Gefühl, dass jemand zu einem kommt, um sauber zu machen. Früher hat das in erster Linie meine Lebensgefährtin übernommen. Ich hielt das nicht für „meine Baustelle“, obwohl natürlich 50 Prozent des Drecks von mir sind.

Heute schenkt die Putzfrau uns beiden Zeit: einfach spontan eine Stunde auf dem Balkon sitzen, ein Wochenende auf dem Campingplatz – das gönnen wir uns jetzt öfter. Immer nur ackern und auf Urlaub sparen, das habe ich früher gemacht. Dafür bin ich einfach zu alt.

Egal, was die anderen denken!

„Ich spiele Golf, weil es mir Spaß macht – auch wenn andere das dekadent finden.“ Margret Sch. (70 Jahre)

Neid ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Dieses missgünstige Schielen auf andere. Das Tuscheln hinter dem Rücken, wenn man sich etwas leistet. Davor hatte ich Angst, als ich vor ein paar Jahren darüber nachdachte, in einen Golfclub einzutreten. Was werden die Nachbarn sagen, was die Freunde? Golf ist schließlich bei vielen als Bonzensport verpönt. Aber sollte ich meine Entscheidung davon beeinflussen lassen? Nicht tun, was ich gerne möchte, nur um nicht aus der Reihe zu tanzen, es den anderen recht zu machen? Nein dachte ich mir irgendwann! Schließlich ist es ja keine Schande, dass es mir finanziell gut geht. Im Gegenteil: Ich habe mein ganzes Leben lang dafür gearbeitet. Da ist es nur legitim, dass ich mir etwas gönne, woran ich Spaß habe. Egal, was die anderen denken. Und so teuer ist es außerdem gar nicht mehr. 800 Euro im Jahr. Das zahlen viele für eine Woche Mallorca …

Wenn ich heute Nachbarn oder Bekannten von meinem Hobby erzähle, auch davon wie locker es inzwischen auf dem Golfplatz zugeht, ohne steife Etikette und Kleiderordnung, wirken die meisten überrascht, gar nicht mehr neidisch, eher interessiert. Erst recht, wenn ich ihnen erzähle, wie toll man sich beim Golfen fit halten kann (18 Loch sind mindestens ein Vier-Stunden-Marsch) und wie sehr ich jede Minute genieße, die ich an der frischen Luft bin.

 

Letzte Version vom 4. Dezember 2018

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