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Längere Wimpern – so geht´s

Mit den Jahren werden auch – leider – die Wimpern dünner und weniger. Ein Natur-Gesetz? Nein, sagen Hersteller spezieller Wimpern-Seren. Sie versprechen lange dichte Wimpern in wenigen Wochen – ganz ohne Wimperntusche.

© Konstantin Gastmann / pixelio.de
© Konstantin Gastmann / pixelio.de

Einfach ein Serum benutzen – und die Wimpern werden lang, schön und verführerisch? Viele Frauen probieren dafür neue Kosmetik-Produkte aus. Das Ergebnis einer Testreihe: Nach drei Wochen sah man schon etwas. Und nach acht Wochen war es auch messbar – gute zwei Millimeter länger waren die Wimpern bei 50 Prozent der Teilnehmerinnen. Sind die neuen Wimpern-Seren also der Schlüssel zu lebenslang langen und dichten Wimpern?

Ganz so einfach ist die Antwort nicht, sagen Experten wie Hautarzt Klaus Hoffmann, Leiter der Abteilung ästhetisch-operative Medizin im Universitätsklinikum Bochum. Denn das hänge primär mit den sehr unterschiedlichen Inhaltsstoffen zusammen. Denn jedes Wimpern-Serum, das von den Leserinnen getestet wurde, setzt auf andere:
• das Hormon Prostaglandin
• ein Mix aus Aminosäuren und Peptiten
• Hyaluron kombiniert mit Panthenol
• eine rein pflanzliche Kombination aus Birke und Traubensilberkerze.

Die Anwendung der Wimpern-Seren ist dagegen immer gleich: abends nach dem Abschminken das Serum mit einem kleinen Pinsel oberhalb des oberen Lidrandes auftragen.

Dass die Wimpern-Seren wirken, vor allem die mit dem Hormon Prostaglandin, stellte auch Dermatologe Klaus Hoffmann von der Uni-Klinik Bochum fest. In seinem Institut testeten zwanzig Krankenschwestern Wimpernseren mit Prostaglandin – mit dem gleichen Erfolg. Wie genau das Hormon wirkt, erklärt Hoffmann so: „Es verlängert die Wachstumsphase, sodass mehr Wimpern gleichzeitig nebeneinander auftreten und sie auch stärker in die Länge wachsen“. Der Erfolg hat ihn selbst überrascht. „Dass diese Mittel so gut wirken, das hätte ich nicht für möglich gehalten“, gibt er zu. Bei manchen Testerinnen wären die langen Wimpern hätten sogar an das Glas ihrer Brille gestoßen.

Für normale Kosmetika sind solche Effekte eher ungewöhnlich. Tatsächlich sind Wimpern-Seren ein Zufallsfund aus der Medizin: Mit dem Hormon Prostaglandin werden eigentlich Menschen behandelt, die erhöhten Augendruck bei Grünem Star haben. Das Hormon bewirkt, dass die Augenflüssigkeit abfließen kann und der Druck sinkt. Dabei zeigte sich eine Nebenwirkung, mit der niemand gerechnet hatte: Die Wimpern wuchsen und wurden voller. Und schon bald wurde das Wimpern-Wachstumsmittel von US-Promis zweckentfremdet. Und 2009 kam dann mit „M2 Lashes Eyelash Activating Serum“ das erste offizielle Wimpern-Serum auf den Markt. Inzwischen gibt es allein in Deutschland etwa 20 Seren.

Und das, obwohl gerade die Hormon-Wimpern-Seren nicht unumstritten sind – die Mittel können Juckreiz, brennende und tränende Augen, Verfärbungen des Lidrands und manchmal sogar der Iris hervorrufen. Wie häufig diese sind, lässt sich schwer sagen, weil die Mittel als Kosmetik gelten und deshalb weit weniger getestet werden als Medikamente. Das ist in Amerika anders. Dort stufte die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA z.B. manche Wimpernwuchsmittel schon vor Jahren als Medikament ein. Und auch in Schweden werden einige Produkte mit Prostaglandin vom Kosmetikmarkt verbannt.

Doch es gibt Alternativen zum Hormon: Wimpern-Seren, die mit klassischen Kosmetik-Stoffen wie Hyaluron, Panthenol, Aminosäuren und Peptide arbeiten oder aus Pflanzenextrakten entwickelt wurden. Alle rein kosmetisch und ohne Nebenwirkungen. Das wichtigste aber vor jeder Wimpernbehandlung ist eine gute Beratung – die erste Adresse dafür ist der Hautarzt.

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