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Das sollten Sie beim Berliner Testament beachten

80% der Testamente, die Ehepaare abfassen, sind als Berliner Testament angelegt. Doch was muss man beachten, damit der hinterbliebene Partner wirklich gut versorgt ist?

Falle Testament @ Rainer Sturm / pixelio.de
Falle Testament @ Rainer Sturm / pixelio.de

56 % aller Ehepaare haben kein Testament. Die Folge: Stirbt ein Partner kann der hinterbliebene Ehepartner nicht mehr frei entscheiden, wenn Kinder vorhanden sind.

Machen Ehepartner ein Testament, dann meist ein Berliner Testament, in dem sie sich gegenseitig als alleinige Erben einsetzen und die Kinder zuerst leer ausgehen. Doch viele merken erst, wenn der erste Partner gestorben ist, wie viele Fallen das Berliner Testament enthält. Und dann ist es zu spät.

plus Magazin zeigt, auf welche Details Paare achten sollten. Dazu steht Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) und Fachanwalt für Erbrecht, Rede und Antwort:

Warum ist das Berliner Testament bei Ehepaaren so beliebt?

Weil es Paaren gegenseitige Sicherheit bietet: Stirbt einer der Partner, so erbt der zweite das ganze Vermögen und kann frei über das Erbe verfügen. Die Kinder und die weiteren Erben erhalten im Regelfall vorerst nichts. Sie werden aber zu Schluss-Erben nach dem Tod des zweiten Elternteils und erben erst dann.

Worin besteht der Unterschied zu einem normalen Testament?
Das Berliner Testament ist ein gemeinsames Testament von beiden Ehepartnern. Normalerweise sind Testamente Verfügungen einer einzelnen Person.

Wer kann generell ein Berliner Testament machen?
Nur Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können dieses gemeinschaftliche Testament errichten. Nicht möglich ist es für nicht eheliche Lebensgefährten.

Gibt es bestimmte Formvorschriften, damit die Verfügung wirksam ist?
Ja. Ein Berliner Testament muss, wie jedes Testament, von A bis Z handschriftlich verfasst sein. Es reicht aber aus, wenn einer der Ehegatten es handschriftlich schreibt und der andere Partner die gemeinschaftliche Erklärung eigenhändig mit unterschreibt. Es sollte mit ausgeschriebenem Vor- und Nachnamen unterschrieben werden.

Muss man für ein Berliner Testament zu einem Notar gehen?
Zwingend ist es nicht, aber auf jeden Fall empfehlenswert. Denn auch wenn sich das Prinzip des Berliner Testaments sehr einfach anhört – es enthält viele Fallen.

Was passiert, wenn ein Partner bereits ein Testament verfasst hat?
Das gilt dann nicht mehr. Denn mit dem Einsatz des Berliner Testaments werden alle anderen zuvor verfassten Testamente unwirksam.

Kann der erbende Partner immer frei über das Vermögen verfügen?
Das hängt davon ab, ob das Testament nach dem Einheits- oder Trennungsprinzip erstellt wurde: Beim Einheitsprinzip wird der länger lebende Ehegatte Vollerbe des gesamten Vermögens und kann darüber tatsächlich frei verfügen.

Beim Trennungsprinzip setzen sich die Ehegatten gegenseitig als Vorerben und Dritte, z. B. die Kinder, als Nacherben ein. Die beiden Vermögensmassen der Ehegatten bleiben also getrennt. Hier kann der Überlebende nicht unbedingt frei über das Vermögen des zuerst Gestorbenen verfügen.

Wann empfiehlt sich das Trennungsprinzip?
Immer dann, wenn einer der beiden Partner ein bedeutend größeres Vermögen besitzt und er oder sie sicherstellen möchten, dass nach dem Tod wichtige Teile davon (beispielsweise eine wertvolle Immobilie oder ein Betrieb) erhalten bleiben.

Was gilt, wenn das Prinzip nicht zu erkennen ist?
Enthält das Testament keine eindeutigen Bestimmungen, so ist durch Auslegung zu ermitteln, welche der beiden genannten Formen gewählt worden ist. Im Zweifel greift nach § 2269 BGB die gesetzliche Vermutung für das Einheitsprinzip.

Was passiert, wenn man ein Berliner Testament aufgesetzt hat, die Ehe aber scheitert?
Das hängt von der Form des Scheiterns ab: Trennen sich die Ehepartner, bleibt das Berliner Testament weiterhin bestehen. Erst mit einer rechtskräftigen Scheidung der Ehe wird es (automatisch) unwirksam.

Können die Kinder beim Berliner Testament den Pflichtteil geltend machen?
Ja. Viele denken, dass die Kinder, die ja sowieso Schluss-Erben nach dem länger lebenden Ehegatten werden, keinen Anspruch auf den Pflichtteil nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils haben. Das ist aber ein Irrtum – Kinder haben immer einen Anspruch auf den Pflichtteil.

Darf der Überlebende das Testament nach dem Tod des Ehegatten ändern?
Nein. Das Testament kann einseitig vom hinterbliebenen Ehegatten nicht mehr geändert werden, selbst wenn es wünschenswert und auch dem Willen des bereits verstorbenen Partners entspräche.

Gibt es Klauseln, mit denen man doch Änderungen erreichen kann?
Ja. Man kann im Berliner Testament eine ausdrückliche Ermächtigung zur Abänderung der wechselseitigen Verfügung festhalten. Sie besagt, dass der überlebende Partner die Schluss-Erben oder Vermächtnisse auf den Schluss-Erbfall abändern kann. Diese Freistellungsklausel muss aber im Testament stehen.

Und wenn die Freistellungsklausel fehlt?
Der überlebende Ehegatte kann dann die Verfügung aufheben, indem das Erbe innerhalb einer Frist von sechs Wochen (nach dem Tod des ersten Partners) ausgeschlagen wird. Dann bricht das Berliner Testament zusammen und es gilt die gesetzliche Erbfolge. Der überlebende Ehegatte erbt die Hälfte und die Kinder die andere Hälfte. Dann können alle frei über den Nachlass verfügen.

Gibt es noch weitere Fallen, die sich in dem Berliner Testament verbergen?
Neben der lebenslangen Bindung für beide Partner fesselt das Berliner Testament besonders dann den überlebenden Partner, wenn im Testament sehr konkret bestimmte Dinge, Summen oder Werte angesprochen werden. Oder: Wenn nicht die Kinder Schluss-Erben sein sollen, sondern im Berliner Testament auch noch die Enkel erwähnt werden; denn dann sind nicht nur der überlebende Partner, sondern auch die Kinder durch das Testament gefesselt.

Was sind die wichtigsten Tipps für Ehepartner?

    1. Keine konkreten Summen und Dinge im Berliner Testament erwähnen, sondern nur vom Vermögen sprechen.
    2. Dem überlebenden Partner eine Freistellungsklausel einräumen.
    3. Mit den Kindern einen Pflichtteilverzicht nach dem Tod des ersten Elternteils vereinbaren.

Gibt es Alternativen zu einem Berliner Testament?

Wenn das Berliner Testament zu viele Tücken hat, bietet sich ein Erb-Vertrag als Alternative, er muss jedoch immer von einem Notar aufgesetzt werden.

Die Vorteile sind:

  • Der überlebende Partner ist an keine Verpflichtungen gegenüber den Schluss-Erben gebunden und kann über das Vermögen frei verfügen.
  • Der überlebende Partner kann zusätzlich ein eigenes Testament aufsetzen und so genaue Bestimmungen für den eigenen Tod treffen.
  • Die Kinder erhalten bereits beim ersten Todesfall den Pflichtteil.

 

Letzte Version vom 4. Dezember 2018

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