Das neue Urteil vom Bundesfinanzhof regelt, dass mehr Krankheitskosten bei der Steuer geltend gemacht werden können.

Wer krank ist und hohe Ausgaben für die Gesundheit hat, kann künftig mehr Geld bei der Steuer geltend machen, urteilte jetzt der Bundesfinanzhof: Es müsse anders gerechnet werden (Stand 2017).

Selten kommentieren oberste Richter ihre Urteile derart klar: „Das Urteil wird weitreichende Bedeutung über den § 33 des Einkommensteuergesetzes haben“, so die obersten Finanzrichter (VI R 75/14). Wohl wahr: Denn was der Bundesfinanzhof festlegte, dürfte auch andere Rechtsgebiete beeinflussen.

Im Kern haben die Richter die bisherige Art verworfen, wie die zumutbare Belastung für Krankheitskosten berechnet wird:

Bisher galt

Je nach Höhe des Einkommens wurde dieses mit einem Prozent-Wert multipliziert, der dann die selbst zu zahlende Eigen-Belastung zeigte. Nur was darüber lag, konnte steuerlich abgesetzt werden. Das führte bisher dazu, dass das Überschreiten der Grenze um nur einen Euro zur x-fach höheren Belastung führte.

Beispiel: Wer als Alleinstehender 51.130 Euro Einkommen je Jahr hatte, musste 6 % = 3.067,80 Euro selbst tragen. Wer nur einen Euro mehr Einkommen hatte, also 51.131, musste 7 % selbst tragen, also 3.579,17 Euro – über 500 Euro mehr.

Das ist neu

Das geht nicht, sagten die Finanzrichter und ordneten eine neue Rechnung an: Das Einkommen wird auf die einzelnen Einkommensgruppen verteilt – und mit dem dort geltenden Prozentsatz bewertet. Die Folge: Die zumutbare Eigenbelastung sinkt für jeden – wer höhere Krankheitskosten hat, kann diese nun viel schneller steuerlich absetzen.

Absetzbar sind als außergewöhnliche Belastungen die Kosten für Krankheit, Kur, Pflege, Bestattung, aber auch für eine Wiederbeschaffung nach einer Katastrophe (Hochwasser) sowie Unterhalt an Bedürftige.

Dazu zählen:

  • Hörgerät
  • Brille
  • Rollstuhl
  • Akupunktur
  • Heilpraktiker
  • verordnete Massagen
  • Zuzahlung für Arznei

Berücksichtigt wird nur, was ärztlich verordnet ist und nicht von der Kasse übernommen wird. Nicht absetzbar ist, was man vorbeugend tut, um die Gesundheit zu stärken: Diät, Vitaminpräparate, Zahnreinigung.