Fiese Abzocke von Sparern: Versprochen waren eigentlich 3, 4 oder gar 5% Zins pro Jahr oder eine Laufzeit über viele Jahre – doch weil es praktisch keine Zinsen mehr gibt, kündigen Banken laufende Verträge.

Wenn der Sparvertrag einfach gekündigt wird

Allein 2019 kündigten Sparkassen 200 000 langfristige Sparverträge, bei denen die höchste Prämienstufe erreicht war. Auslöser war ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom April 2019: Der BGH hatte im Fall der Kreissparkasse Stendal entschieden (XI ZR 345/18), dass diese kündigen darf, sobald alle vertraglichen Prämien einmal gezahlt worden sind.

Doch was tun? Sich wehren!

Denn Betroffene haben gute Chancen, vereinbarte Zinsen zu erhalten, wenn

  • im Sparvertrag eine Laufzeit angegeben ist, deren Ende noch nicht erreicht ist. Ist keine Laufzeit genannt, ist die Kündigung wahrscheinlich rechtens – „unbefristet“ heißt leider nicht „unkündbar“;
  • eine konkrete Prämien-Staffel angegeben ist, die Höchststufe noch nicht erreicht ist;
  • Versprechungen zu Rendite und Laufzeit aus Werbematerial der Bank Teil des Vertrags sind, z. B. wenn Prämien für 25 Jahre hochgerechnet wurden. Die Werbebroschüre allein reicht nicht. Das OLG Dresden forderte, im Vertrag müsse auf den Prospekt Bezug genommen werden (8 U 52/19);
  • eine Höchstlaufzeit angegeben wurde, die noch nicht erreicht ist, z. B. dass nach 15 Jahren die höchste Prämienstufe erreicht wird und diese Stufe bis zum 25. Jahr unverändert bleibt.

Selbst ein Vertrag mit einer sehr langen Laufzeit (99 Jahre) ist so einfach nicht zu kündigen…

Wenn Zinsen falsch berechnet werden

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