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Ratgeber Geld & Recht

Direktversicherung: Abgabe an die Krankenkasse

Wird eine Direktversicherung nach jahrelangem Einzahlen ausgezahlt, greift zuerst die Krankenkasse zu. Ärgerlich, aber gesetzlich leider eindeutig.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Andreas Hermsdorf / pixelio.de

70 % aller Arbeitnehmer wissen nicht, dass sie bei einer ausgezahlten Direktversicherung einen großen Teil der Summe an die Krankenkasse abführen müssen. Der Ärger ist riesig, die Gesetze leider eindeutig.

Was wird von der Kasse abgezogen?

Fast ein Fünftel der ausgezahlten Summe der Direktversicherung: nämlich 14,6 % allgemeiner Beitrag der Krankenkasse.

Dazu kommen noch :

  • der Zusatzbeitrag der eigenen Krankenkasse (Techniker z.B. +1,0 %, Barmer +1,1 %, DAK +1,5 %)
  • allgemeiner Beitrag zur Pflegeversicherung mit 2,35 %.

Insgesamt wären dies beispielsweise bei Versicherten der Techniker-Krankenkasse: 17,95 %.

Für DAK-Versicherte: 18,45 %.

Bei einer ausgezahlten Direktversicherung z.B. von 50.000 Euro sind dies etwa 9.000 Euro. Bezahlt werden muss dieser Krankenkassen-Beitrag in Monatsraten – und zwar zehn Jahre lang.

Gerechnet wird so: Auszahlsumme: 120 = monatliches Einkommen * Kranken-/Pflegebeitragssatz = monatliche Zahlung an die Krankenkasse.

Was ist die entscheidende Summe?

Maßgeblich für das Berechnen der Krankenkassen-Beiträge ist die gesamte Auszahlsumme, also nicht nur der Gewinn der Police (Auszahlung minus eigene Einzahlungen). Das heißt, die Sozialbeiträge, die man während der Berufstätigkeit sparte (Einzahlungen in einer Direktversicherung sind sozialversicherungsfrei), zahlt man später doch.

Mehr noch: Da die Kassenbeiträge höher sind als in den 80ern oder 90ern, zahlt man am Ende sogar mehr.

Was ist, wenn die Krankenkasse Beiträge oder Zusatzbeiträge erhöht?

Dann muss dies auch bezahlt werden. Das heißt, es werden zehn Jahre lang nach der Auszahlung monatlich Beiträge berechnet – und zwar immer der am 1. Juli eines Jahres gültige Beitragssatz der Krankenkasse. Erhöht diese den Beitrag oder wird ein Zusatz-Beitrag verlangt, ist auch dies zu zahlen. Es ist nicht so, dass der Gesamtbeitrag am Auszahlungstag berechnet und auf 120 Monate verteilt wird.

Kann man in einer Summe zahlen?

Nein. Die Möglichkeit, die gesamten Krankenkassen-Beiträge in einer Summe zu zahlen, sind im Gesetz bewusst nicht zugelassen. Dies hätte bedeutet, dass viele im Jahr der Auszahlung ein Gesamteinkommen (Gehalt + ausgezahlte Direktversicherung) über der Beitragsbemessungsgrenze gehabt hätten. Damit hätte man bei höheren Direktversicherungen für einen Großteil der ausgezahlten Summe keine Beiträge entrichten müssen. Das wollte man verhindern.

Wann sind keine Krankenkassen-Beiträge fällig?

Zum einen, wenn man privat krankenversichert ist. Keine Beiträge werden auch fällig, wenn eine Direktversicherung, in die in der Regel der Arbeitgeber Beiträge einzahlt:

  • vom Arbeitnehmer übernommen
  • und auf diesen umgeschrieben und
  • von diesem auch Beiträge bezahlt wurden.

Dann müssen auf den Teil der Auszahlung, der privat eingezahlt wurde, keine Beiträge entrichtet werden, so das Bundesverfassungsgericht (Az. 1 BvR 1924/07).

Die rechtliche Grundlage

Maßgeblich ist § 229 des V. Sozialgesetzbuchs. Dort steht, dass auch Einmal-Zahlungen der Beitragspflicht unterliegen und dass dafür „ein Hundertzwanzigstel der Leistung als monatlicher Zahlbeitrag der Versorgungsbezüge gilt, längstens jedoch für 120 Monate“. Das Bundesverfassungsgericht hat alle Klagen gegen diese seit 2004 geltende Regel abgelehnt.

 

Letzte Version vom 15. Januar 2019

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