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Was man aus dem Gesicht lesen kann

Ihr Gesicht verrät, wie gesund Sie sind. Das große Interview mit dem Gesichtleser Eric Standop.

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Eric Standop (48) betreibt die Kunst des Gesichtlesens als Beruf. Ob Charakter, Gesundheit oder Partnerschaft – per Face Reading entlockt er dem Antlitz seines Gegenübers (fast) jedes Geheimnis.

Herr Standop, wenn ich mich selbst im Spiegel betrachte, fallen mir als erstes eine dicke Unterlippe, eine große Nase und eine hohe Stirn auf, bei der eine dünne Querfalte über den Augenbrauen sitzt. Was lesen Sie aus diesen Merkmalen?

ERIC STANDOP: Eine ganze Menge. Fangen wir mit den Lippen an. Menschen mit großer, gefühliger Unterlippe, deren Oberlippe schmal ist, zeigen sich sehr stark an materiellem Besitz orientiert. Umgekehrt richten sich Menschen mit großer Oberlippe und kleiner Unterlippe eher an ideellen Dingen aus. Eine große Nase spricht, pauschal gesagt, für Kreativität. Aber auch für Großzügigkeit. Die Nase verrät viel über Wohlstand und Arbeit.

Materiell orientiert, aber auch großzügig – das ist doch ein Widerspruch?

STANDOP: Nein, überhaupt nicht. Wer keinen Wohlstand erwirbt, hat weniger Möglichkeiten, wenn es darum Dinge zu teilen oder zu verschenken. Davon abgesehen ist Geiz ein Merkmal, das sich im Gesicht nicht so offensichtlich zeigt wie Freigiebigkeit. Ob jemand gerne teilt oder schenkt, sehe ich dagegen schneller, oft auf den ersten Blick.

Und was ist mit den Stirnfalten?

STANDOP: Die Stirn ist unser Schild, hier präsentieren wir unsere Persönlichkeit. Ein Mensch mit vier, fünf oder gar mehr Stirnfalten, die alle unterbrochen sind, also nicht zusammengehen, der bringt häufig weniger auf die Reihe. Er besitzt viele Interessen, aber er verzettelt sich gerne. Ein Mensch, dessen Falten zusammengehen, der ruht eher in sich. Die unterste Stirnfalte verweist dabei wieder auf Materielles.

Verblüffend! Wie schaffen Sie das, einem Gesicht all diese Informationen zu entlocken?

STANDOP: Ich habe mir unterschiedliche Techniken beigebracht, die ich kombiniere. Anmerkung meinerseits: Das stimmt so nicht. Ich hatte drei Lehrmeister von unterschiedlichen Kontinenten und Kulturen, die mir das beigebracht haben. Weltweit gibt es in den verschiedensten Kulturen bestimmt 20 bis 30 Arten, Gesichter zu lesen. Man findet diese Kunst in der Ägyptologie, in der indischen Kultur, in Südamerika oder in China. In Ländern wie USA oder England wird das Entziffern der Mimik im Rahmen des Psychologiestudiums sogar an manchen Universitäten gelehrt. Acht dieser Techniken setze ich regelmäßig ein.

Mit welcher Methode erkennt ein Gesichtsleser am meisten?

STANDOP: Das hängt ganz vom Thema ab. Will jemand wissen, wie er sich ernähren soll oder welche Schwachpunkte seine Gesundheit hat, dann nutze ich die europäische Antlitzdiagnostik. Wer Informationen zu seinem Schicksal sucht oder zu seinen Lebensaufgaben, den berate ich anhand der chinesischen Lesart „Siang Mien“. Über Liebesdinge und Partnerschaft kann die südamerikanische „Lectura del Rostro“ viel erzählen.

Muss ich mir Gesicht-Lesen als eine Art mystischer Geheimwissenschaft vorstellen?

STANDOP: Nein, es gibt viele Bereiche, die kann jeder rational erfassen, auch bei uns im Westen. Schaut man einem Gegenüber ins Gesicht, sieht man anhand bestimmter Merkmale, ob er an gewissen Krankheiten leidet. Läuft jemand gelb an, stimmt etwas mit seiner Leber nicht. Dieses Wissen nutzt jeder erfahrene Hausarzt bei der Blickdiagnose. Die Chinesische Medizin und die Antlitz-Diagnostik gehen noch darüber hinaus. Nach diesen Lehren sind innere Organe über Nervenbahnen mit dem Gesicht verbinden, was natürlich noch viel mehr Rückschlüsse über die Gesundheit erlaubt. Und dann gibt es Techniken, die sind für den Westeuropäer kaum mehr verdaubar.

Welche?

STANDOP: Das sind beispielsweise Jahrtausende alte chinesische Wahrnehmungstechniken, bei denen man das Schicksal aus dem Erscheinungsbild herausliest. Um welche Persönlichkeit handelt es sich? Welche Gaben hat jemand mitbekommen? Hat er ein Talent für Zahlen, für Mathematik? Oder eher für Sprachen? Welche Lebensaufgaben wurden ihm gestellt? Solche Dinge kann man aber nicht aus einem oder zwei einzelnen Merkmalen herauslesen. Da kommt es auf Augen, Nase, Kinn, Stirn an, also den Gesamteindruck. Und man muss wirklich viele Details zusammenführen. Im Chinesischen gibt es allein mehr als fünfzig Lippenformen, die jeweils unterschiedliche Aussagen haben. Manches lässt sich von der westlichen Logik her nicht begründen.

Und wenn man diese Codes kennt und entziffern kann, blickt man buchstäblich in die Zukunft eines Menschen?

STANDOP: Eher indirekt. Ein Gesichtleser in China wirkt mehr als Berater. Er erkennt anhand der Physiognomie, wie sich ein Mensch in den nächsten Jahren entwickelt, sofern er sich nicht grundsätzlich ändert. Für diesen Zeitraum, das sind höchstens acht Jahre, erteilt er dann seine Ratschläge. Hält sich der Klient nicht an diese Empfehlungen, kann es sein, dass jemand anders Schicksal spielt für ihn. Oder man verzettelt sich in Kompromissen. Außerdem: Gesichtlesen kann keinen Menschen bis ins letzte Detail entziffern. Ich sage meinen Studenten immer, wenn man es schafft, einen Menschen zu 90 Prozent zu ergründen, dann hat man alles erreicht.

Welche Rolle spielen eigentlich Körpersprache und Mimik, das heißt die wechselnden Gesichtsausdrücke?

STANDOP: Die Körpersprache hängt stark von Ritualen ab, und damit von der jeweiligen Kultur. Auch kann die Körpersprache leichter vorgetäuscht, damit instrumentalisiert werden. Die wahren Essenzen kriegt man über das Gesicht. Und natürlich über die Mimik. Sie ist die kleine Schwester des Gesichtlesens und verrät viel über die emotionale Situation des Menschen. Lügt er gerade? Ist er nervös? Welche Absichten hat er? Das spielt neben den festen Merkmalen eine wichtige Rolle für das Gesichtlesen. Das kennt eigentlich jeder aus dem Bereich der Alltagsbeobachtungen.

Nämlich?

STANDOP: Jemand, der frisch verliebt ist, sieht anders als jemand, der gerade von seinem Partner verlassen wurde. Das lässt sich an Augen und Mund ablesen, es sind die variabelsten Signalgeber im Gesicht. Die Chinesen besitzen ein schönes Bild dafür. Sie behaupten, dass Augen und Lippen wie Flüsse sind, die sich schnell verändern. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine schlimme Nachricht, ein lieber Verwandter ist gestorben. Sofort ändert sich der Ausdruck der Augen. Die Haare dagegen verändern sich nur allmählich im Laufe vieler Monate. Es sind Berge, sagt man in China.

Eine traurige Chinesin ähnelt einer traurigen Deutschen?

STANDOP: Ja, das gehört zu den Grundregeln der Physiognomie. Sie werden immer finden, dass ein Mensch mit kleinem Mund, der keine Lippen zeigt, eher verschlossen ist. Der spricht nicht viel, äußert sich zumindest ungerne über seinen Emotionen. Ein großer Mund mit vollen Lippen verweist auf einen extrovertierten Menschen, der gerne lacht, kreativ ist. Denken Sie an Julia Roberts. Das sind sozusagen die Extrembeispiele, zwischen denen es unzählige Abstufungen gibt. Ein anderes Beispiel: Dunkle Augenringe verraten, dass ein Mensch Vitalität verloren hat, sei es durch eine Grippe, eine Chemotherapie oder weil es seinem Körper an dem Spurenelement Eisen fehlt. Bei dieser Feststellung sind sich alle Gesichtslesetechniken der Welt einig.

Wie sind Sie eigentlich zum Gesichtlesen gekommen?

STANDOP: Ich habe Pädagogik studiert, als Journalist und später zwanzig Jahre lang im Management in der Unterhaltungsbranche gearbeitet. Nach zwei Burnouts suchte ich ein neues Betätigungsfeld. Geld hatte ich genug verdient, also ging ich erst mal auf Reisen. Dabei lernte ich in Südafrika einen Gesichtsleser kennen, der meinen Charakter und meine Krankheitsgeschichte bis ins Detail entzifferte. Ich hatte ihn zuerst nicht ernst genommen und war dann doch fasziniert von seinen Fähigkeiten. Anschließend suchte ich zehn Jahre lang weltweit nach Gesichtslesern, von denen ich lernen konnte. Zuletzt in Hongkong bahnte ich mir den Weg zu einem Lehrmeister, der mich um die grundlegende Bedeutung von Energie, Lebensaufgaben und Schicksal lehrte.

Wer beauftragt einen Gesichtsleser wie Sie?

STANDOP: Ich schule beispielsweise Personaldienstleiter oder Polizisten darin, wie sie eine Lüge erkennen. Ich halte in Europa, in den USA und Asien Vorträge und Seminare. Außerdem schreibe ich Bücher. Und natürlich lese ich bei Ratsuchenden im Gesicht, die mich damit beauftragen. Ich biete den Klienten auch an, ganz spezielle Themen aus ihrem Gesicht zu lesen, also beispielsweise neben dem Charakter oder Kariere auch Partnerschaft, Ernährung oder Gesundheit. Wobei ich keine medizinischen Diagnosen erstelle. Weitere Symptome, die Ihr Gesicht sprechen lassen: Welche Farbe hat Ihr Augapfel? Gibt es eine feine gelbe Linie um die Iris? Sind Ihre Ohrläppchen eher dick oder dünn? Aus solchen winzig kleinen Merkmalen können Ärzte exakt ablesen, wie es um unsere Gesundheit steht: ob uns ein Nährstoff fehlt oder ein wichtiges Organ ernste Probleme bereitet – und worauf Sie ab jetzt jeden Morgen im Bad achten sollten.

 

Das sieht Ihr Hausarzt

z.B. Glatte Zunge: Fühlt sich diese auch so an und brennt gleichzeitig häufiger, deutet dies auf einen Mangel an Folsäure, Vitamin B12 und/oder Eisen hin. Dann sollten Sie handeln:

  • Zwei Portionen Rind- oder Schweinefleisch pro Woche essen.
  • Täglich drei Portionen Vollkornprodukte (z.B. Brot, Müsli, Nudeln) und zwei Portionen grünes Gemüse (Brokkoli, Blattsalat) liefern benötigte Folsäure

Augen: Wachsen die Augenbrauen lückenhaft und dünnen seitlich aus, ist dies ein Hinweis auf beginnende Neurodermitis, vor allem in Verbindung mit trockener Haut und Lippen, doppelter Unterlidfalte und Juckreizschüben am Körper:

  • Hautarzt hinzuziehen.
  • Brauen-Stift oder Permanent-Makeup kaschieren die kahlen Stellen.
  • Trockene, juckende Haut mit Cremes pflegen, die Harnstoff (Urea) enthalten.

Ohren: Schmerzlose weißliche Knubbelchen an der Ohrmuschel deuten auf eine noch nicht entdeckte oder unzureichend behandelte Gicht-Erkrankung:

  • Lebensmittel meiden, die Produktion von Harnsäure – das ist der Gicht-Auslöser – anregen, vor allem Fleisch, Innereien, Wurst, Hülsenfrüchte.
  • Täglich 2 Liter Wasser trinken, um Harnsäure rasch über Nieren auszuscheiden.
  • Gichtknoten kann Hautarzt per Mini-OP problemlos entfernen.

Mund: Ausgeprägter Damenbart, häufig in Kombination mit buschigen Augenbrauen, Übergewicht und Akne. Weist auf Stoffwechsel-Erkrankung PCOS hin, bei der Zysten in den Eierstöcken zu viele männliche Sexualhormone produzieren.

 

Das sieht der Naturheiler

Nase: Ist der Übergang zwischen Nasenflügel zur Wange gerötet, deutet dies auf verschleimte oder entzündete Bronchien hin:

  • Reichlich trinken (zwei Liter am Tag), das löst den Schleim.
  • Auch Hustenlöser mit Acetylcystein (ACC, Apotheke) lockern den Schleim und erleichtern das Abhusten.

Schläfen: Hier zeigt sich, ob wir genügend Erholung und Entspannung finden. Grundsätzlich gilt: Wölbt sich das Areal nach außen, ist viel Energie vorhanden; bei eingefallenen Schläfen fehlt es an Energie. Die rechte Seite der Schläfen zeigt dabei unseren Schlaf; die linke, wie es um die innere Ruhe und Konzentrationsfähigkeit steht. Einbuchtungen an der rechten Schläfe deuten zudem darauf hin, dass der Schlaf zu kurz oder nicht tief genug. Dann helfen Präparate mit Baldrian, Hopfen oder Melisse (Apotheke) helfen. Gibt es eine Einbuchtung an der linken Schläfe, deutet dies darauf hin, dass innere und äußere Ansprüche zu groß sind. Dann auf den nötigen Ausgleich für Körper und Geist achten, etwa mit langen Spaziergängen.

Das sieht der TCM-Mediziner

Dünne Ohrläppchen: Zusammen mit einer kleinen Ohrmuschel deuten sie auf eine angeborene Nieren-Energie-Schwäche. Warme Fußbäder unterstützen diesen Funktionskreis, weil die Fußsohle in der TCM als Nierenzone gilt. Am besten die Füße täglich 20 Minuten in heißem Wasser (reicht bis zu den Sprunggelenken). Auf ausreichend Schlaf achten.

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