Wenn das Gehirn in Ohnmacht fällt

Einen Schlaganfall kann jeder bekommen, auch junge Leute. Allerdings steigt das Risiko mit dem Alter: Sechs Prozent der über 75-Jährigen sind jährlich betroffen, aber nur ein Prozent der unter 55-Jährigen. Es ist eine lebensbedrohliche Situation, in der jede Minute zählt. „Time is brain“, sagen Ärzte dazu, Zeit ist Gehirnmasse. „Je schneller die Behandlung beginnt, desto geringer ist das Risiko, dass Schäden zurückbleiben“, erklärt auch Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

Die Symptome von Schlaganfall

Welche Symptome sich genau zeigen, hängt davon ab, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Die häufigsten Anzeichen für einen Schlaganfall sind:

  • Seh– und Sprachstörungen,
  • Lähmungen,
  • Taubheitsgefühle,
  • Schwindel,
  • Schluckbeschwerden,
  • heftige Kopfschmerzen.

So beugen Sie Schlaganfall vor

„Mehr als die Hälfte aller Schlaganfälle ließen sich verhindern, wenn man rechtzeitig die hirnversorgenden Blutgefäße untersuchen und bei einer Verengung behandeln würde“, sagt Dr. Michael Lichtenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Wenn sich Gefäße verengen, sprechen Mediziner von einer Carotisstenose. Die können sie bei einer Ultraschall-Untersuchung der Halsschlagader entdecken. Sobald es einen Verdacht dafür gibt, übernimmt die Kasse die Kosten für das Screening. Ansonsten ist es eine individuelle Gesundheitsleistung, die zwischen 50 und 90 Euro kostet und privat bezahlt werden muss.

Eine Carotisstenose verursacht erst einmal keine Schmerzen und lässt sich in der Regel problemlos operativ entfernen. Je nach Diagnose legen Ärzte bei einem minimal-invasiven Eingriff einen Stent, um die Engstelle zu weiten. Bei Vorhofflimmern, oft eine Folge der Carotisstenose, staut sich Blut in den Herz-Vorhöfen an, kann verklumpen und ein Gerinnsel bilden, das die Blutgefäße verschließt. Deshalb verordnen Ärzte in diesem Fall meist Blutverdünner. Ein zu hoher Cholesterinspiegel und Bluthochdruck werden ebenfalls mit Medikamenten behandelt, um das Schlaganfall-Risiko zu senken.

Noch in den 80er-Jahren war ein Schlaganfall meist tödlich. Oder die Betroffenen wurden zum Pflegefall. „Zum Glück hat sich in den vergangenen Jahren in der Behandlung sehr viel getan“, erläutert Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz. „Heute stehen die Chancen gut, keine oder nur geringe dauerhafte Schäden davonzutragen.“

Welche Risikofaktoren einen Schlaganfall beeinflussen, welche unterschiedlichen Arten existieren und welche neuen Therapien es gibt, lesen Sie in der Ausgabe 9/2020 – ab 5. August am Kiosk oder hier online.