Am häufigsten trifft die Diagnose Krebs Frauen im mittleren Alter. Dann muss der Alltag komplett neu organisiert werden, meist kann man mehrere Wochen lang nicht arbeiten. Wie man mit der Krankheit gegenüber Kollegen und Vorgesetzten umgeht und was beim Wiedereinstieg ins Berufsleben hilft, erklärt die Psychologin Vera Kramkowski von der Krebsberatung Rhein-Erft.

Hat der Vorgesetzte, die Chefin ein Recht darauf zu erfahren, warum ich krankgeschrieben bin?

„Nein. Grundsätzlich muss man im Betrieb nicht den Grund für die Krankschreibung nennen. Ist das Vertrauensverhältnis zum Vorgesetzen oder der Chefin gut, sollte man ihm oder ihr aber zumindest erzählen, dass man längere Zeit ausfallen wird. So hat die Firma eine bessere Planungssicherheit.“

Wie sieht es mit dem Gehalt aus, wenn man lange krankgeschrieben ist?

„Da sind Arbeitnehmer in Deutschland glücklicherweise recht gut abgesichert. Sechs Wochen lang gibt es im Rahmen der Lohnfortzahlung das volle Gehalt. Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse das sogenannte Krankengeld. Es beträgt etwa 70 Prozent des Bruttogehalts. Lohnfortzahlung und Krankengeld gibt es für dieselbe Erkrankung für insgesamt maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren.“

Nach der Genesung ist man nicht unbedingt gleich wieder voll belastbar. Wie kann der Wiedereinstieg gelingen?

„Sind Mitarbeiterinnen länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, können Arbeitgeber ihnen ein sogenanntes Betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, kurz BEM. Davon sollten Arbeitnehmer Gebrauch machen: In einem Gespräch mit dem Fallmanager des BEM sowie mit dem Arbeitgeber – und eventuell mit Betriebs- oder Personalrat sowie Schwerbehindertenvertretung – soll geklärt werden, wie man am besten zurück an den Arbeitsplatz kommt. In manchen Fällen kann ein Antrag auf sogenannte Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsplatz sinnvoll sein, darunter fallen zum Beispiel Anpassungen des Arbeitsplatzes, eine berufliche Weiterbildung oder berufliches Training. Oftmals wird auch eine stufenweise Wiedereingliederung genutzt – das sogenannte Hamburger Modell.

Was genau verbirgt sich dahinter?

„Hierbei stockt man die Arbeitszeit nach und nach wieder auf. Das kann beispielsweise mit zwei Stunden am Tag an drei Arbeitstagen anfangen und sich dann allmählich steigern. In dieser Zeit ist man noch krankgeschrieben.“

Und wenn die Belastung einer Vollzeitstelle trotz allem zu groß ist?

„Dann könnte kann man eventuell auch Teilzeit arbeiten und unter bestimmten Voraussetzungen ergänzend eine Erwerbsminderungsrente beantragen, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.“

Weitere Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten gibt es etwa bei allen Landeskrebsgesellschaften – hier klicken für mehr Infos.
Interview: Sonja Baulig

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