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Wie Ärzte Körpersignale deuten

Der Körper hat seine eigene Sprache. Ärzte erkennen an den Körpersignalen, ob etwas harmlos ist oder nicht. Je bewusster man auf die Signale reagiert, desto schneller wird man gesund.

© Damm / pixelio.de
© Damm / pixelio.de

Flecken auf der Haut, Rillen in Fingernägeln, zuckendes Augenlid, eine außergewöhnlich glatte Zunge – solche Signale sendet jeder Körper, vor allem im Alter. Doch was bedeutet dies? Welche Zeichen sind harmlos? Welche ein Alarmzeichen? Wann müssen Sie sofort zu einem Arzt?

Wie Ärzte über das Beschreiben von Körpersignalen zu einer Diagnose kommen, das erläutert der Hausarzt Hans Michael Mühlenfeld. Dabei spielt die Wahrscheinlichkeit eine große Rolle.

Herr Dr. Mühlenfeld, auf welche Signale des Körpers achten Sie zuerst, wenn jemand zu Ihnen in die Sprechstunde kommt?
MÜHLENFELD: Zuerst schätze ich ab, ob die Beschwerden, die mir ein Patient schildert oder die ich sehe, fühle oder messe, auf einen gefährlichen Verlauf einer Krankheit hinweisen.

Welche Anzeichen sind das?
MÜHLENFELD: Beispielsweise können Brustschmerzen auf einen Herzinfarkt hinweisen, halbseitige Lähmungen auf einen Schlaganfall, blutiger Auswurf auf eine akute Bronchitis, gelblich verfärbte Augen auf Probleme mit der Leber. Hohes Fieber, extreme Blutdruckwerte, rasender Puls und noch einige andere Signale deuten ebenfalls auf Gefahren hin. Kann ich aber Gefahr für Leib und Leben ausschließen, lasse ich die Ursachen offen, da es sich in der Regel um eher harmlose Krankheiten handelt, die sich oft von allein wieder geben.

Das heißt, Sie wollen dann nicht genau wissen, was der Patient hat?
MÜHLENFELD: Ja, das heißt es. Nur wenn Gefahr besteht, müssen wir Ärzte so genau wie möglich wissen, was hinter den Signalen steckt, um einen gefährlichen Verlauf abzuwenden.

Und wenn keine Gefahr besteht?
MÜHLENFELD: Dann behandele ich die Symptome der Krankheit.

Wie lange benötigen Sie, um abzuschätzen, ob Gefahr besteht?
MÜHLENFELD: Das ist natürlich immer individuell, oft geht es aber sehr schnell. In der Grippe-Saison beispielsweise weiß ich nach einer Minute, ob die Anzeichen auf einen gefährlichen Verlauf hinweisen.

Das klingt ganz schön kurz!
MÜHLENFELD: Das kommt darauf an, was ich in der Minute mache. Ich frage nach Symptomen, höre bei Hinweisen auf Grippe die Lunge ab, schaue in den Rachen. Man muss auch bedenken, dass wir Hausärzte die meisten Menschen gut kennen, die zu uns kommen: im Durchschnitt schon seit 13 Jahren. Zum Vergleich: Eine Ehe in Deutschland hält im Schnitt nur sieben Jahre. Ich weiß also, wie meine Patienten aussehen, wenn es ihnen gut geht. Bei einigen ist mir aber auch klar: Die kommen nur, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Bei anderen weiß ich, dass sie eher unsicher sind, was die Signale ihres Körpers angeht, die kommen früher.

Nicht alle Signale bereiten Beschwerden. Trotzdem ist man verunsichert, ob vielleicht doch etwas Ernstes dahintersteckt …
MÜHLENFELD: Dann sollte man den Hausarzt anrufen, die Signale beschreiben. Viele Hausärzte sind auch am Wochenende für solche Fälle erreichbar. Falls nicht, erreicht man bundesweit nachts, an Wochenenden und Feiertagen einen niedergelassenen Arzt unter der zentralen Telefonnummer 116 117. Infos dazu gibt es im Internet unter www.116117info.de

Was kann man tun, um Ärzten bei der Diagnose zu helfen?
MÜHLENFELD: Bevor man in die Sprechstunde geht oder einen Arzt anruft, sollte man sich selbst folgende Fragen beantworten:

  • Was habe ich gegen meine Beschwerden schon selbst unternommen? Hat es geholfen?
  • Was vermute ich selbst, was hinter den Beschwerden steckt?
  • Seit wann habe ich die Beschwerden?
  • Bei Schmerzen: Wie fühlen sie sich genau an: stechend, dumpf, pochend, ausstrahlend?

 

Letzte Version vom 4. Dezember 2018

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