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„Impfungen sind kein Kinderkram“

Warum alle ab 60 ihren Impf-Status prüfen sollten und damit unter anderem auch ihre Enkel schützen, erklärt Dr. Jan Leidel, ehemaliger Vorsitzender der Ständigen Impfkommission und wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Grünen Kreuzes.

©REDPIXEL.PL/shutterstock
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Herr Dr. Leidel, jeder wurde als Kind viele Male geimpft. Reicht das nicht?

Dr. Leidel: Leider nein. Auch das Immunsystem altert. Manche Krankheiten verlaufen deshalb im Alter oft schwerer und komplikationsreich. In der Grippe-Saison 2017/18 gab es 1.700 Todesfälle, 87 % waren über 60 Jahre alt. Zu den häufigsten Todesursachen bei Älteren gehören auch Pneumokokken. Und gegen die Gürtelrose, die bei über 60-Jährigen gehäuft auftritt, gibt es nun einen sehr effektiven Impfstoff, der allen Menschen ab 60 und chronisch Kranken ab 50 empfohlen wird. Routine für alle Erwachsenen bis ins hohe Alter ist die regelmäßige Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie.

Warum lassen sich so viele Ältere nicht impfen?

Dr. Leidel: Ältere halten Impfungen offenbar für „Kinderkram“. Das ist wirklich gefährlich: Tetanus zum Beispiel ist eine klassische Infektion im Alter, weil Auffrischungen vergessen werden.
Besonders schlecht sind die Impf-Raten bei Keuchhusten. Diese Impfung möchte ich ganz besonders all jenen ans Herz legen, die Oma oder Opa geworden sind oder es bald werden. Denn Neugeborene und Säuglinge sind durch Keuchhusten sehr gefährdet. Und wer möchte es riskieren, das Enkelkind anzustecken, weil er selbst nicht geimpft ist?

Wie lässt sich der Impf-Status feststellen, wenn kein Impfpass mehr vorhanden ist?

Dr. Leidel: Manche Ärzte empfehlen Titer-Bestimmungen – dabei wird im Blut nach Antikörpern gesucht. Die Bestimmung ist aber gerade bei Tetanus, Diphtherie und vor allem auch Keuchhusten zu ungenau. Deshalb gilt: Alle Impfungen, die nicht dokumentiert sind, nachholen. Dann gibt es auch einen neuen Pass.

Erkältet! Den Impf-Termin verschieben?

Dr. Leidel: Eine Impfung muss nicht wegen einer leichten Erkältung oder etwas erhöhter Temperatur bis 38,5 C verschoben werden. Viel gefährlicher ist es, wenn die Impfung später ganz vergessen wird.

Unser Experte

©Privat

Dr. Jan Leidel ist ehemaliger Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut und wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Grünen Kreuzes.

Hier klicken für den aktuellen Impf-Kalender der STIKO!

 

Letzte Version vom 26. August 2019

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