Mittlerweile sind vier Impfstoffe gegen das Corona-Virus in Deutschland zugelassen. Wie wirksam und sicher sind sie? Und was sagen Impf-Reaktionen über die Wirksamkeit aus?

Lässt die Reaktion auf einen Impfstoff Rückschlüsse auf dessen Wirksamkeit zu?

„Nein, dafür gibt es keine Hinweise“, sagt Virologe Dr. Stürmer. Wie ein Mensch auf Biontech oder AstraZeneca reagiert – mal mit Fieber, mal nur mit Müdigkeit –, sagt nichts über die Wirksamkeit der jeweiligen Impfung aus.
Welche Symptome sich bilden, ist vielmehr abhängig von der Beschaffenheit des persönlichen Immunsystems.

Wie wirkt ein mRNA-Impfstoff?

„Es handelt sich um keinen typischen Tot- oder Lebend-Impfstoff, der normalerweise zum Einsatz kommt, sondern um einen sogenannten Boten-RNA-Impfstoff, kurz mRNA“, sagt der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer. „Diese Form der Ribonuklein-Säure ist wie eine Bauanleitung, die genetische Informationen für den Eiweiß-Aufbau in einer Zelle besitzt. Man kann auch sagen, dass mRNA ein kleines Stück Erbmaterial ist“, ergänzt der Experte. „Umhüllt von Nano-Partikeln wandert die mRNA in die Zellen des Körpers und veranlasst sie, ein bestimmtes Eiweiß vom Virus nachzubauen. Das ruft eine Immun-Antwort hervor, die dazu führt, dass das Virus abgetötet wird.“

Die mRNA-Impf­stoffe kommen ohne Wirkverstärker aus, die im Verdacht stehen, Nebenwirkungen auszulösen. „Die Angst, dass sich die DNA verändern kann, ist unbegründet“, beruhigt Dr. Stürmer. Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird außerdem auch nach der Zulassung weiter überprüft. Das dafür zuständige Paul-Ehrlich-Institut erwartet nicht nur Rückmeldung von Herstellern und Ärzten, sondern auch von Patienten – am besten über die Internetseite nebenwirkungen.bund.de

Wie gut ist der Schutz gegen das Virus?

Laut Aussagen der Firmen BioNTech (Deutschland) und Moderna (USA) besitzen ihre Impfstoffe eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Damit wäre die Erfolgsrate gleich gut wie bei Masern und sogar höher als bei der Grippe-Impfung (Influenza). Der Schutz tritt laut Herstellern rund zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfung ein. Beim Impfstoff der Firma AstraZeneca aus Großbritannien beträgt die Wirksamkeit rund 70 Prozent. Dr. Martin Stürmer. Der Experte befürchtet außerdem, dass die Immunität vielleicht nur ein Jahr halten wird. „Möglicherweise brauchen wir künftig jedes Jahr eine Corona-Impfung.“
Nach bisherigen Erkenntnissen gehen Forscher davon aus, dass die Impfstoffe auch gegen die in britischen und indischen Corona-Mutationen wirken, wenn auch scheinbar nicht ganz so gut wie gegen das ursprüngliche Virus.

Unterscheiden sich die Impfstoffe?

„Die von BioNTech und Moderna basieren auf demselben mRNA-Prinzip“, so der Virologe. „Der Hersteller AstraZeneca verwendet zum Einschleusen des Virus-Eiweißes statt Nanopartikeln einen sogenannten Vektor-Virus. Der ist ungefährlich“, versichert Dr. Stürmer. Der Erreger wird mit Bestandteilen des Corona-Virus bestückt und ruft wie der mRNA-Wirkstoff eine Immun-Reaktion hervor, sodass sich im Organismus Antikörper bilden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät aktuell zu keinem bestimmten Hersteller. „Einen Impfstoff frei wählen zu können ist sehr wahrscheinlich nicht möglich. Der Hausarzt wird den verabreichen, den er vorrätig hat“, vermutet der Experte.

Stand: 4.Januar 2021, Ergänzung 1.6.21