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Endlich wieder gut schlafen!

Fast jede zweite Frau in Deutschland liegt nachts häufig wach, wälzt sich stundenlang hin und her, steht morgens gerädert auf. Die Ursachen können vielfältig sein.

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80 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland sind von Schlafproblemen betroffen – fast 34 Millionen Menschen. Das ergab eine Studie der Krankenkasse DAK vom März 2017. Das ist ein Anstieg von 66 Prozent in nur sieben Jahren, fanden die Experten heraus. Besonders stark betroffen ist etwa jeder Zehnte. Insgesamt verstärkt sich das Problem, je älter man wird.

 

Schlafforscher Dr. Michael Feld* weiß, was Frauen und Männern den Schlaf raubt, welche Folgen Übermüdung haben kann und was beim Wachliegen den Druck nehmen könnte.

Experten-Interview

Herr Dr. Feld, was hat Wohlfühlen im Schlafzimmer mit gutem Schlaf zu tun?

Dr. Michael Feld: Umfragen haben ergeben, dass dies für Frauen total wichtig ist. Männern hingegen ist es ehe egal, wie das Schlafzimmer eingerichtet ist, welche Bilder an der Wand hängen oder ob es blitzsauber ist. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass das Schlafzimmer in Deutschland recht stiefmütterlich behandelt wird. Da wird wenig Geld reingesteckt. Doch den robusten Schläfer kann nichts erschüttern.

Robuste Schläfer scheinen jedoch eher die Ausnahme zu sein … 

Feld: In der Tat schlafen nur ein Drittel aller Menschen gut. Ein Drittel leidet manchmal unter Schlafstörungen, ein Drittel sogar dauerhaft.

Gibt es auch hier Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Feld: Frauen haben genetisch bedingt einen leichteren Schlaf, sind eher durch Geräusche zu stören. Frauen neigen eher zu Ein- und Durchschlafstörungen. Männer machen dafür meist mehr Krach. Ihr Schnarchen bemerken sie allerdings selbst als letzte, sie überschlafen es, genau wie ihre Atemaussetzer.

Nimmt Schlaflosigkeit mit dem Alter zu?

Feld: Deutlich erhöht ist die Rate bei Frauen über 50 Jahren. Etwa 20 Prozent haben Probleme. Gerade nach den Wechseljahren schlafen sie schlecht ein und wachen nachts oft auf. Und auch bei ihnen nimmt das Schnarchen zu, weil der Rachen durch die Hormonveränderungen etwas schlaffer wird. Insgesamt sind in 50 Prozent der Fälle körperliche Komponenten mit schuld an Schlafstörungen – sei es hormonell bedingt, durch Schnarchen, restless legs oder Eisenmangel.

Wie viel Schlaf braucht ein Erwachsener? 

Feld: Durchschnittlich sieben bis acht Stunden.

Und was sind die Folgen, wenn man zu wenig schläft?

Feld: Männer merken es am erhöhten Blutdruck, Frauen schlagen Schlafprobleme eher auf die Psyche. Man ist tagsüber nicht so belastbar, und die Zündschnur ist kürzer. Man bekommt mehr Appetit, vor allem auf Kohlenhydrate. Es drohen Krankheiten des Herz- und Kreislaufsystems bis hin zu Gefäßschäden. Der Körper braucht Ruhe, das Gehirn braucht Schlaf. Es ist unheimlich sensibel, benötigt ein paar Stunden im offline-Modus.

Kann Schlafmangel so krank machen, dass normales Leben unmöglich wird?

Feld: Ja. Viele rutschen dadurch in psychische Störungen. Angst, Depressionen und ein Burnout können die Folge sein. Dann wäre es gut, wenn man nicht alleine schläft.

Warum?

Feld: Schlaflosigkeit ist auch ein soziales Problem. Würde man sich nicht so alleine fühlen, wäre sie nicht so schlimm. Wir sind heute nachts oft allein, maximal zu zweit. Früher saßen die Menschen in Gruppen ums Feuer, das waren immer noch ein paar andere, die nicht schlafen konnte, mit denen man ums Feuer sitzen, Karten spielen und was essen konnte. Es ist dunkel, man ist alleine, vielleicht sägt da nebenan noch einer rum, dann wird man auch noch sauer: Wieso kann der schlafen und ich nicht? Ein Insomnia-Chatroom würde den Druck rausnehmen, vielleicht kommt das ja demnächst.

 

(*: Dr. Michael Feld ist Schlafmediziner und Somnologe in Köln. Sein aktuelles Buch zum Thema: Schlafen für Aufgeweckte. Mehr Lebensenergie durch guten Schlaf. Südwest Verlag, 160 Seiten, 16,99 Euro. Für das Berliner Swissôtel hat er das DeepSleep-Package entwickelt. Das ist eine Art multisensorisches-Portfolio bestehend aus Licht, Klang, Lavendel- und Geranienduft und einem Gute-Nacht-Getränk aus flüssiger Schokolade – ganzheitliches Schlaf-Tuning sozusagen. Die Idee: Schlaf lässt sich nicht willentlich erzwingen, er kommt nur freiwillig, indem wir eine angenehme Atmosphäre schaffen.)

 

 

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