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Ratgeber Ernährung

Die neue Formel gegen Alzheimer

Wenig Zucker, viel Kokosöl und Gemüse – kann es wirklich so einfach sein, Alzheimer zu besiegen? Der US-Mediziner Bruce Fife ist davon überzeugt.

Gesunde Kokosnuss / © Espana/pixelio.de
Gesunde Kokosnuss / © Espana/pixelio.de

Die Geschichte von Steve

Unser Experte Dr. Bruce Fife, Arzt für Naturheilkunde und Ernährungsmedizin, stieß durch Zufall auf die positiven Effekte von Kokosöl. Inzwischen konnte er Tausende mit seinen Ernährungsregeln helfen und gründete ein gemeinnütziges Forschungszentrum in Colorado/USA.

Steve Newport (59) war nicht mehr derselbe. Bei der Arbeit unterliefen dem Buchhalter ständig Fehler. Er wirkte oft verwirrt, abwesend. Seine Frau Mary, Ärztin an einem Krankenhaus in Florida, ging mit ihm zum Neurologen. Die niederschmetternde Diagnose: Alzheimer. Der Arzt verschrieb Medikamente, doch die konnten die Krankheit nicht aufhalten. Als Mary Newport von einer Studie mit einem neuen Medikament hörte, versuchte sie alles, um Steve noch anzumelden. Aber die Ärzte lehnten ab – Steves Alzheimer war zu weit fortgeschritten. “Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben“, erinnert sich Mary Newport, ich erkundigte mich, welcher Wirkstoff in dem neuen Mittel steckt, und fand heraus: Es bestand vor allem aus Fett, genauer aus mittelkettigen Triglyzeriden. Und sehr viel von diesem Fett steckt in Kokosöl.

Also kaufte Mary Newport im ganz normalen Supermarkt eine Flasche Kokosöl – die Versuchspersonen bekamen rund 20 g Fette pro Tag, das wusste sie inzwischen. Mary Newport rechnete – und wusste, das entspricht etwa zwei Esslöffeln Kokosöl. „Am nächsten Morgen um neun rührte ich Steve das Öl in seinen Haferbrei“, erinnerte sie sich. Um 13 Uhr hatte er einen Termin beim Neurologen. „Ich war überwältigt: Steve konnte sich an den Monat, den Wochentag, die Stadt und den Staat erinnern, in dem er sich befand, Dinge, von denen er bei früheren Tests nichts gewusst hatte.“
Auch wenn sie als Ärztin noch nicht glauben konnte, dass das Öl hinter dem guten Test steckte, machte Mary Newport es zum festen Bestandteil von Steves Speiseplan. Und als das Ehepaar Wochen später einige Verwandte besuchte, war Steve wie ausgewechselt: Er erkannte die Leute um ihn herum, erinnerte sich an ihren Namen, fragte, wie es ihnen ging. „Als hätte jemand ein Licht bei ihm eingeschaltet“, erzählt Mary Newport heute, „Steve war wieder da!“

Kann es so einfach sein?

Spricht man den amerikanischen Arzt und Ernährungswissenschaftler Bruce Fife auf die Geschichte Newports an, lächelt er milde. So als wollte er sagen: „Klar hilft Kokosöl bei Alzheimer, das ist doch nichts Neues.“ Seit vielen Jahren beschäftigt sich Fife mit diesem Thema. Gerade ist sein Buch „Stopp Alzheimer!“ auf deutsch erschienen. Darin stellt er im Detail seine Beobachtungen und Thesen auf, die für viele andere Ärzte ungeheuerlich sein müssen: Die richtigen Lebensmittel können Alzheimer vorbeugen, lindern – vielleicht sogar heilen!

Fifes Behauptung klingt zunächst tatsächlich reichlich gewagt. Schließlich werden Jahr für Jahr Abermillionen in die Forschung gesteckt. Tausende Ärzte und Wissenschaftler weltweit forschen fieberhaft daran, die Ursachen der Alzheimer-Demenz zu finden, um dann ein wirksames Mittel dagegen zu entwickeln – bislang ohne nennenswerten Erfolg. Erst im Sommer 2012 wurden drei große Studien zu Alzheimer abgebrochen, weil die darin erprobten Substanzen wieder keinerlei Erfolg brachten.

Und nun soll ausgerechnet die Ernährung der Schlüssel sein? „Ja“, behauptet Bruce Fife und führt vor allem dieses Argument an: „Bei Alzheimer mangelt es dem Gehirn an Energie, weil es den Zucker im Blut nicht mehr richtig als Energiequelle nutzen kann.“ die Folge: „Ohne ausreichend Energie schaltet das Gehirn nach und nach alle wichtigen Denkprozesse ab.“

Dass Fife mit dieser These richtig liegen kann, zeigen auch zahlreiche Erkenntnisse aus einer ganz anderen medizinischen Fachrichtung: der Forschung nach der Ursache für Diabetes. „Diabetiker haben mehr als genug Zucker im Blut, trotzdem können ihre Nervenzellen den Treibstoff nicht nutzen“, sagt Prof. Ralf-Joachim Schulz vom St.-Marien-Hospital in Köln. Der Grund für die Energieblockade ist hier allerdings eindeutig: „Die Nervenzellen sind bei Diabetes oft resistent gegen Insulin. Das Hormon kann die Zellen nicht mehr für den Zucker öffnen“, so Schulz.

Doch – und hier knüpft die Entdeckung von Fife an – auch bei gesunden Menschen kann Zucker das Gehirn beschädigen: Die Zuckermoloküle reagieren mit Eiweiß-Molekülen im Körper und bilden mit ihnen neue Verbindungen. Ärzte vermuten, dass sich dadurch verstärkt schädliches Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert. Einige Mediziner fassen die Alzheimerkrankheit deshalb sogar als eine Form von Diabetes auf, einen Diabetes Typ 3.

Doch wie lässt sich das Ablagern der gefährlichen Eiweiße verhindern? Für Bruce Fife ist die Sache klar. Mit einer speziellen Diät, die das Risiko für Alzheimer gleich zweifach senkt:

  1. Sie enthält kaum Zucker, der diese schädlichen Ablagerungen fördert.
  2. Sie stellt dem Gehirn durch eine ausgefeilte Kombination von Lebensmitteln schnell und unkompliziert eine alternative Energiequelle bereit, die sogenannten Ketone.

So funktioniert die Diät gegen Alzheimer

Hinter den Ketonen verbergen sich speziell verbundene Kohlenstoffe, die der Körper auch selbst bilden kann. Aber: Gewöhnlich macht er das nur dann, wenn in Hungerzeiten Fettreserven abgeschmolzen werden. Der große Vorteil der Ketone: Das Gehirn verwertet sie sehr schnell und unkompliziert selbst dann noch als Energiequelle, wenn der Zuckerweg versperrt ist. Bruce Fifes Diät enthält deshalb vor allem Lebensmittel, die den Körper dazu bringen, viel mehr Ketone herzustellen. Und das sind vor allem diese:

  • viel Salat und Gemüse
  • reichlich Ei, Fisch und Fleisch
  • 5 Esslöffel Kokosöl pro Tag
  • nur wenig Zucker

Doch warum werden diese einfachen Regeln von der Wissenschaft kaum beachtet? „Weil man darauf kein Patent anmelden kann, mit dem sich über Jahre sehr viel Geld verdienen lässt“, vermutet Fife.

Deshalb appelliert er, frühzeitig vorzusorgen und mit der ketogenen Ernährung zu beginnen. „Wenn die ersten Symptome der Alzheimer-Demenz auftreten, sind etwa 70 Prozent der Gedächtniszellen im Gehirn bereits zerstört“, so Fife. Diese Zellen kann auch keine Diät der Welt wiederbringen. Lediglich die verbliebenen scheinen davon noch zu profitieren. So wie bei Steve, der inzwischen sogar wieder lesen kann und im Haushalt hilft.

Zum Herunterladen erhalten Sie hier 21 Rezepte, die vor Demenz schützen können. 

 

Letzte Version vom 3. Dezember 2018

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