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Dehnen gegen Rückenschmerzen

Es gibt minimale Bandscheibenvorfälle, die trotzdem höllische Schmerzen verursachen, und große Vorfälle, die man nicht spürt. Was hinter dem Paradox steckt und was in beiden Fällen hilft, erklärt ein Experte für Rücken-Krankheiten.

© Techniker-Krankenkasse
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Dr. Felix Söller ist Facharzt für Orthopädie und Rückenspezialist im Medizinisches Versorgungszentrum im Helios in München.

Herr Söller, stimmt es, dass es Bandscheibenvorfälle gibt, die man gar nicht spürt?

Söller: Ja, ich habe bestimmt pro Woche zwei oder drei Patienten, bei denen man beim Blick auf die Kernspin-Aufnahme sagen würde: Ein monströser Bandscheibenvorfall, dieser Mensch gehört sofort in den OP! Und wenn ich mich dann mit den Menschen unterhalte, erzählen sie mir, dass es lediglich im Kreuz zieht.

Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Söller: Häufig liegt das daran, dass der Wirbelkanal von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich groß sein kann. Bei manchen hat diese Röhre, in der Rückenmark, Nerven und Blutgefäße verlaufen, einen Durchmesser von 1,5 Zentimeter, bei anderen vielleicht nur 0,8 Zentimeter. Die Erfahrung zeigt, je größer der Wirbelkanal, umso weniger Schmerzen verursacht ein Bandscheibenvorfall und manchmal sogar gar keine.

Manche haben nur für kurze Zeit extreme Schmerzen im Rücken, doch diese verschwinden dann bald wieder?

Söller: Bei Bandscheibenvorfällen, ist das durchaus häufig. Dazu muss man wissen, dass der hervorquellende gallertartige Kern, der den Faserring der Bandscheibe durchbrochen hat, zu etwa 90 Prozent aus Wasser besteht. Diese Flüssigkeit erzeugt zunächst einen hohen Druck, wird aber vom Körper zunehmend resorbiert. Trocknet das Gewebe ein, lassen auch der Druck auf die Nervenwurzel und der Schmerz nach.

Muss man solche Vorfälle dennoch behandeln?

Söller: Akut zumindest nicht mehr. Trotzdem sollte man ein solches Ereignis ernst nehmen und dem Rücken etwas Gutes tun. Schließlich hat er deutlich signalisiert, es wird mir manchmal zu viel. Wichtig ist, die Muskeln des Rumpfs zu kräftigen, etwa mit Schwimmen, Nordic Walking und gezielten Kraftübungen. Außerdem: Starkes Übergewicht abbauen und nach 50 Minuten sitzen für mindestens 5 Minuten aufstehen und umhergehen, sich dehnen und strecken.

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