Trockenheit, Rötungen, Schuppenbildung: Neurodermitis gehört zu den häufigsten chronischen Hautkrankheiten in Deutschland. „Die schützende Hautbarriere ist dann nicht intakt. Es fehlt an Fett, das in Form von Cremes und Salben zugeführt werden kann, aber auch an Wasser“, sagt Prof. Regina Fölster-Holst, Dermatologin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Das sind mögliche Ursachen

Die genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt. Ärzte vermuten, dass die Krankheit vererbt wird und dass zudem ein Teil des Immunsystems über­aktiv ist. Stress, Infekte und weitere Faktoren wie Kälte oder ständige Temperaturwechsel sind mögliche Trigger. „Im Winter ist es für Neurodermitis-Patienten besonders wichtig, viel zu trinken, um den Körper mit genug Flüssigkeit zu versorgen“, rät Dr. Heike Behrbohm von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA). Und: „Ein Zwiebel-Look ist in den kalten Monaten ideal, denn wer meh­rere Kleidungsstücke übereinander anzieht, beugt Schwitzen vor – das kann die Haut zusätzlich reizen.“

„Neurodermitis ist eine systemische Erkrankung“, sagt Prof. Margitta Worm, Allergologin und Immunologin an der Berliner Charité. Das bedeutet, das Geschehen ist nicht auf die Haut begrenzt, sondern betrifft den ganzen Menschen. „Solche Krankheiten sind komplex, sie können unter anderem durch Infektionen oder auch psychische und physische Belastungen beeinflusst werden“, so die Expertin.

Das hilft bei Neurodermitis

Die richtige Pflege

Eine individuelle Pflege gilt als Basistherapie bei Neurodermitis. „Das Angebot an Produkten ist groß“, so Prof. Regina Fölster-Holst. Sie gibt ihren Patienten daher immer mindestens zwei verschiedene Cremes zum Ausprobieren mit nach Hause. „In der Regel weiß man nach drei bis vier Tagen, ob ein Produkt infrage kommt.“ Wer sich schon beim Verteilen einer Salbe oder Creme schwertut, dem rät die Expertin lieber gleich davon ab. „Eine gute Pflege ist flexibel und auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst“, erklärt sie. Deshalb darf im Winter das Produkt ruhig fetthaltiger sein. Im Sommer ist ein höherer Wasseranteil gut.

Die Balneo-Phototherapie

Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis hat sich auch die Balneo-Phototherapie als wirksam erwiesen. Dabei erhalten Patienten eine kontrollierte Bestrahlung mit UV-Licht in Kombination mit Salzwasser-Bädern in der Wanne. „Die früher so beliebten und erfolgreichen Kuren am Toten Meer fußen auf genau dieser Methode“, weiß Dr. Klaus Strömer, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD).

Drei bis fünf Behandlungen pro Woche werden empfohlen. Die Therapie kann ambulant in Hautarzt-Praxen oder stationär erfolgen. Seit dem 1. Oktober 2020 ist sie eine Kassenleistung.

Hilfe bei Juckreiz

Eine Sache, die Neurodermitis-Patienten immer umtreibt ist der Juckreiz. Kratzen verschafft im ersten Moment kurzzeitig Linderung, doch es schädigt die Haut und erleichtert Umweltstoffen wie Allergenen und Bakterien den Eintritt, sodass Entzündungen entstehen und der Juckreiz sich verstärkt – ein Teufelskreis. „Je nach Zustand kann man die Haut beispielsweise auch kneifen oder drücken“, rät Dr. Heike Behrbohm von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe. Ebenfalls wirksam: Mit einem mit Leder bespannten Holzklötzchen über die Haut streichen. „Oft hilft auch Kühlen, etwa mit einem feuchten Waschlappen, Kühlpacks oder einer feuchtigkeitsspendenden Lotion, die vorher im Kühlschrank aufbewahrt wurde“, so die Expertin.

Bei der Kleidung sind kühlende Materialien gut, die noch dazu atmungsaktiv sind. Seide und leichte Baumwolle etwa oder Textilien mit Silbergarn, die als medizinische Silberwäsche im Handel sind.

Diese Ernährung tut bei Neurodermitis gut

Auch über die Ernährung lassen sich die Symptome lindern. Diese Lebensmittel „schmecken“ der Haut z. B. besonders gut:

  • Avocado, Nüsse, Saaten, Leinsamen: Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren schützen das Erbgut und verlangsamen so die Hautalterung. Der Körper braucht sie außerdem als Baustoff für neue Hautzellen und zum Aufbau von Botenstoffen, die Entzündungen beeinflussen.
  • Seefisch, Fisch- und Algenöl: Diese wirken aufgrund ihres hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend und sorgen für ein günstiges Verhältnis von Omega-3- zu entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren, die u. a. in rotem Fleisch enthalten sind
  • Äpfel, Aprikosen, Melone bringen neben wichtigen Mikronährstoffen einen hohen Wassergehalt mit. Sie harmonisieren damit den Wasserhaushalt des Körpers und fördern einen gesunden Blutfluss

Was bei Schuppenflechte und Rosazea hilft, und was die Kasse zahlt, lesen Sie in Ausgabe 2/2021.