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Altes Medizinwissen – die Kräuterfrauen aus dem Allgäu

Im Voralpenraum gibt es sie noch: Weise Frauen mit kostbarem, überliefertem Pflanzenwissen, das von ihren Großeltern an sie weitergegeben wurde.

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Wenn es um alte Traditionen und Kräuterheilkunde geht, ist man bei Ramona Sommer richtig. Sie beherrscht eine der ältesten Künste weiser Frauen – das Räuchern von Kräutern.

 

 

„In früheren Kulturen wurde bei Festlichkeiten geräuchert, das Verglimmen von Kräutern diente dazu, dass eine angenehme Stimmung herrschte“, sagt Ramona Sommer. Eines der Kräuter, die sie für ihre Räucherung verwendet, ist die Schafgarbe, ihre Lieblingspflanze. Aufgefallen sei ihr die filigrane Pflanze bei ihren Spaziergängen in der Natur. „Durch ihre Einfachheit ist die Schafgarbe unkompliziert und bescheiden und doch so vielfältig in der Heilfähigkeit“, sagt Ramona. Sie setzt aus Schafgarbe eine Tinktur an, die sie für Wunden und schöne Haut verwendet. „Für die Wechseljahre hat mir die Schafgarbe sehr geholfen“ erzählt die Kräuterexpertin. Sie sei ein Allheilmittel für Frauenleiden im Unterleib. Aber auch auf Magen, Darm, Leber und Galle habe die Pflanze eine sehr wohltuende Wirkung. „Die Schafgarbe gilt als natürliches Antibiotikum, sie wirkt antiviral und antibakteriell.“ Einen Schafgarbentee kocht sich Ramona bei allgemeinem Unwohlsein, das gerade während der Wechseljahre oft auftritt. „Doch am liebsten räuchere ich mit ihr, weil meine Gedanken dann völlig klar werden.“, sagt Ramona Sommer lächelnd.

Mit dem Feuerzeug zündet sie zuerst das Teelicht des Stövchens an und legt einen kleinen Aluminiumteller darüber. Danach zündet sie die Schafgarbe an, die sofort zu glimmen beginnt. Im Raum breitet sich ein erdiger, sandelholzartiger Duft aus. Mit der Zange legt Ramona die glimmende Schafgarbe auf den Teller und drückt die Pflanze auf den Tellerboden, wo sie zu knistern beginnt. „Das macht man während der Räucherung immer wieder, damit die Pflanze gut weiterglimmt.“ Mit dem rauchenden Stövchen geht Ramona in die Ecken des Zimmers und räuchert sie aus. „Das reinigt den ganzen Raum.“ Nach ein paar Minuten ist die Wirkung der Mischung zu spüren: Es fällt leicht, die Gedanken loszulassen.

Seit ihrer Kindheit kennt auch Susanne Fischer-Rizzi die Kraft von Heilkräutern. Sie erlebte schon früh, wie sich Menschen bei ihrem Großvater bedankten, weil er mit Hilfe der sanften Kräutermedizin Krankheiten gelindert oder geheilt hatte. „Als ich 12 Jahre alt war, hat er mir mein erstes Kräuterbuch geschenkt.“ Die berühmte Kräuterfrau aus dem Allgäu, die heute in Sulzberg ihre eigene Schule „Arven-Schule für Heilpflanzenkunde, Aromatherapie und Wildniswissen“ betreibt, sah als kleines Mädchen zu, wie der Großvater Heilkräuter trocknete, Kräutermischungen herstellte oder Tinkturen ansetzte. Eine ganz besondere Pflanze ist für sie die Wildrose, auf deren Blüte sie sich jedes Jahr freut. „Die Rose vereint in sich viele Kräfte: sie kann in der Kosmetik, als kostbare Hautcreme, als Parfum, aber auch als wirksames Heilmittel bei Entzündungen eingesetzt werden.“ Um deren Heilkraft einzufangen, hat Susanne Fischer-Rizzi die alte Kunst des Destillieres neu belebt. „Ich nehme an, dass es eine Tradition des Destillierens im Allgäu schon sehr lange gegeben hat“, sagt sie und erzählt, dass sie vor Jahren ein altes Rezeptbuch zur Herstellung von Heilmitteln aus den destillierten Pflanzenwässern im Bauernhaus ihrer Großmutter fand. „Deren sanfte Wirkung ist heute sehr gefragt“, sagt Susanne Fischer-Rizzi.

Adressen für Kräuterwanderungen und Basisrezepte für Kräuter-Heilmischungen lesen Sie hier.

 

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